Falschfahrer-Warnung

Leitpfosten als Lebensretter


Herscheid. Frank Baudis will in einer Rechtskurve mit 180 Sachen einen Laster überholen, zieht nach links – und schaut in zwei Scheinwerfer. Ein Geisterfahrer! Baudis muss blitzschnell reagieren. „Entweder frontal in den Falschfahrer. Oder in den Laster“, erinnert er sich. Er entscheidet sich für den Lkw. Der Aufprall ist so heftig, dass er und einer seiner beiden Kollegen im Auto schwer verletzt werden.

Sechs Jahre ist das her. Immer wieder sprach man bei Baudis’ Arbeitgeber, der Wilhelm Schröder GmbH in Herscheid (Märkischer Kreis), über den Unfall. Und auch Geschäftsführer Kai Okulla ließ das Thema nicht zur Ruhe kommen.

Er sah den Crash „als Ansporn, neue Ideen zu entwickeln, damit so etwas nicht mehr passieren kann“. 10.000 Gefahrenstellen gibt es an den deutschen Fernstraßen, wo Autofahrer aus Versehen in die falsche Richtung fahren können. Seit Anfang 2011 arbeitet das Unternehmen, das Kunststoff- und Metallteile für Autos und Kühlschränke herstellt, zusammen mit Wissenschaftlern der Technischen Hochschulen Dortmund und Aachen an einem Falschfahrer-Warnsystem. Noch in diesem Jahr soll es auf den Markt kommen.

Und das steckt dahinter: In Leitpfosten an Autobahnabfahrten wird ein Funknetz installiert, das erkennt, wenn jemand in die falsche Richtung fährt. Leuchtdioden in den Pfosten warnen dann. Zugleich erhalten in weniger als zehn Sekunden Polizei und Radiosender eine Gefahrenmeldung. Außerdem ist eine Warn-App fürs Handy vorgesehen.

10.000 Gefahrenstellen gibt es an den Fernstraßen bundesweit

Während die Experten der Uni Aachen ihr Wissen in Sachen Straßeninfrastruktur einbringen und die Dortmunder für die Elektronik zuständig sind, wird die Firma Schröder wohl die Kunststoffgehäuse fürs Innenleben der Pfosten herstellen.

Ingenieur Dennis Dorn wurde von dem Unternehmen eigens eingestellt, um das Projekt zu koordinieren und die Kontakte zu den Hochschulen, zum Verkehrsministerium und der Bundesanstalt für Straßenwesen zu pflegen.

Die Versuche an einer Abfahrt der Autobahn A 43 verliefen erfolgreich. „Wir haben die Software weiter verbessert, Falschfahrer werden jetzt noch schneller erkannt“, berichtet Dorn aus seiner Zusammenarbeit mit Stephan Haendeler von der Uni Dortmund.

Unfallopfer Frank Baudis setzt große Hoffnungen auf das System. Die Falschfahrerin – Zeugen erkannten eine Frau – hätte ihn beinahe das Leben gekostet. Sie wurde nie ermittelt.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Fakten

Tödliche Gefahr von vorn

• Auf Deutschlands Autobahnen sind laut einer Studie des ADAC in einem Jahr rund 2.000 bis 2.800 Falschfahrer unterwegs.

• Etwa 20 Menschen kommen dabei jährlich ums Leben. Das sind 4 Prozent aller bei Unfällen auf Autobahnen Getöteten. Eine offizielle Statistik gibt es nicht, weil die Bundesanstalt für Straßenwesen die Daten nicht gesondert erfasst.

Unternehmen in diesem Artikel

Wilhelm Schröder GmbH Stanz- und Spritzgießtechnik

Map
Wilhelm Schröder GmbH Stanz- und Spritzgießtechnik
Rammberger Weg 5-10
58849 Herscheid

Zum Unternehmensfinder
Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang