Leseratten verdienen besser

Leipziger Buchmesse stellt Bildung in den Fokus – dazu gibt es eine spannende Studie

Begehrt bei den Lesefans: Zu Buchmesse und Literatur-Festival in Leipzig kamen 250 000 Besucher. Foto: Koch

Leipzig. Ströme von Besuchern, rappelvolle Hallen: Die Leipziger Buchmesse zeigt, dass Bücher auch in den Zeiten von Internet, E-Book und Tablet noch große Anziehungskraft ausüben. 250.000 Menschen pilgerten jetzt in die Messestadt und vertieften sich an den Ständen von 2.200 Verlagen in die Neuheiten. Tausende von ihnen erlebten auf dem Festival „Leipzig liest“ Schriftsteller live.

Zugleich setzten die Veranstalter, mit vielen Vorträgen und Workshops, einen thematischen Schwerpunkt: Bildung und Leseförderung. Die Botschaft von Buchmesse-Direktor Oliver Zille lautet: Für jede Mediennutzung in einer Hightech-Gesellschaft bleibt Lesen Grundkompetenz. Da gibt es in Schulen und Elternhäusern noch viel zu tun – auch wenn sich seit dem Jahr 2000, als deutsche Jugendliche beim internationalen „Pisa-Test“ spektakulär abschmierten, einiges verbessert hat.

Das Thema ist nicht nur schöngeistig. Denn schlechte Leser haben es auch in Ausbildung und Beruf schwer, berichtet Antonie Kerwien, Sprecherin im Berliner Büro der in Paris ansässigen Industriestaaten-Organisation OECD. „Fakt ist: Wer gut lesen kann, verdient mehr und ist seltener arbeitslos.“

Das belegt die von der Organisation bereits im Jahr 2013 veröffentlichte „Piaac-Studie“. Experten testeten bei 166.000 Erwachsenen aus 24 Ländern unter anderem, wie gut sie lesen können – und stuften sie in sechs Gruppen ein. Ergebnis für Deutschland: Die aus der höchsten und zweithöchsten Gruppe, die dicht geschriebene, komplizierte Texte spielend erfassen und daraus Schlüsse ableiten können, haben zu 82 Prozent eine Arbeit. Bei denen in den zwei untersten Gruppen, die nur kurze Texte mit einfachen Sätzen verstehen, sind es dagegen lediglich 63 Prozent.

Zudem verrichten die Lese-Schnecken oft nur Routine-Tätigkeiten. Denn ihre Fähigkeit, schriftliche Informationen aufzunehmen, sei oft nicht ausreichend für eine Facharbeiter-Ausbildung. Die Leseratten aus den beiden obersten Gruppen verdienten zwei- bis dreimal so viel Geld wie die Lese-Schnecken.

Wer seinen Kindern öfter vorliest, weckt die Leselust in ihnen

„Lesen ist die zentrale Voraussetzung fürs Lernen“, bestätigt Simone Ehmig, die das Institut für Lese- und Medienforschung in Mainz leitet. „Kindern, die gern lesen, fällt der Unterricht leichter.“ Dass die Kleinen Leselust entwickeln, muss kein Zufall sein, weiß Forscherin Ehmig. „Eltern können dazu beitragen, indem sie ihren Kindern regelmäßig, möglichst täglich vorlesen.“ Und: „Wichtig ist, dass der Vater mitmacht.“ Dann packt das Lesefieber auch Jungs.

Eine Untersuchung des Instituts zeigt: Kinder, denen vorgelesen wurde, haben meist bessere Schulnoten. Und zwar nicht nur in Deutsch und Fremdsprachen, sondern auch in Sport und Mathe. „Wer sich abmühen muss, eine Textaufgabe zu lesen und zu verstehen, tut sich nun mal schwerer.“


Übrigens

Foto: dpa
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Empfehlenswerte Kinderbücher

  • Etwa 90.000 Bücher bringen deutsche Verlage jedes Jahr auf den Markt, 8.000 davon sind für Kinder und Jugendliche.
  • Als Orientierungshilfe für Eltern wählt eine Jury zur Buchmesse alljährlich den „Leipziger Lesekompass“: je zehn empfehlenswerte Bücher und CDs für drei Altersgruppen. Das neue Ergebnis findet sich im Internet unter leipziger-lesekompass.de

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Selbst Papier-Puristen müssen zugeben: E-Books haben durchaus Vorteile. Sie wiegen nichts, sind jederzeit verfügbar. Und: Viele davon gibt es im Netz sogar kostenlos. Diese Site ist eine zentrale Anlaufstelle für Sparfüchse unter den E-Book-Fans.

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