Tipp

Lebensversicherung: Wieviel ist für mich drin?

Foto: Roth

Auch dieses Jahr kommt sie wieder ins Haus: Die „Standmitteilung“ der Lebensversicherung für die Altersvorsorge. So etwas landet in fast jedem Briefkasten – es gibt fast so viele Verträge wie Bundesbürger! Grund genug, mal einen genauen Blick auf das zu werfen, was bei einer Kapital-Lebensversicherung am Ende rauskommt. Das ist leider weniger, als mancher auf Anhieb vermutet.

Zunächst sollte man wissen, dass die prognostizierte Ablaufleistung höher ist als die aktuell schon garantierte Auszahlung. Und Prognosen können sich ändern – auch nach unten: Das hat bereits schmerzlich gemerkt, wer seit etwa 20 Jahren dabei ist.

Geldentwertung frisst Kaufkraft

Aber nur mal angenommen, die in Aussicht gestellte Ablaufleistung fließt später tatsächlich in dieser Höhe. Was ist sie dann noch wert? Wie die Inflation daran knabbert, zeigt ein einfaches Beispiel: Auszahlung 50.000 Euro, fällig in 20 Jahren. Liegt bis dahin die Inflationsrate stets bei 2 Prozent, entspricht diese Auszahlung gerade 33.650 Euro heutiger Kaufkraft.

Bei nur 1 Prozent Geldentwertung beträgt der „Barwert“ immerhin gut 41.000 Euro. Das zeigt, wie sehr Sparer auf eine möglichst niedrige Inflationsrate angewiesen sind.

Den heutigen Gegenwert der eigenen Ablaufleistung (oder auch der eigenen voraussichtlichen Altersrente) kann man kostenlos im Netz ermittelnbei der gesetzlichen Rentenversicherung, die hier einen Barwertrechner anbietet:
www.deutsche-rentenversicherung.de

Von dem, was nach diesem Zwischenschritt gedanklich bleibt, müssen sehr viele Versicherte noch gut ein Sechstel abziehen: Etwa so viel kommt zusammen, wenn die gesetzliche Krankenkasse während der ersten zehn Jahre nach Auszahlung Monat um Monat ihren Anteil fordert. Das darf sie bei über den Betrieb abgeschlossenen Verträgen.

Neue Regel für alte Verträge

Ärgerlich: Diese erst vor einigen Jahren eingeführte Regelung gilt dennoch auch für Altverträge! Das hat inzwischen das Verfassungsgericht gebilligt (über das Urteil hat AKTIV berichtet).

Kassenbeiträge muss aber auch mancher Kunde berappen, der seine Beiträge stets privat aus dem Netto-Entgelt bezahlt hat: Das gilt für „freiwillig Versicherte“ – also auch gut verdienende Arbeitnehmer. Dass das rechtmäßig ist, hat gerade erst ein Urteil des Bundessozialgerichtes gezeigt (27.1.10, B 12 KR 28/08).

Und dann gibt es da natürlich noch die Steuer. Immerhin: Wer seinen Vertrag bis Ende 2004 abgeschlossen hat, darf die Auszahlung in vielen Fällen steuerfrei kassieren.

Für ab 2005 abgeschlossene langlaufende Verträge gilt ein neuer Grundsatz: Zu versteuern ist die Hälfte des Betrages, um den die ausgezahlte Ablaufleistung die eingezahlten Beiträge übersteigt.

Dass es im Einzelfall noch kniffliger werden kann, belegt eine Anweisung des Finanzministeriums zum Thema: Sie ist 37 Seiten lang! Für staatlich geförderte Verträge (Direktversicherungen & Co.) gelten zudem eigene Regeln. Wer die Sache mit der Steuer vorab genau wissen möchte, sollte also bei seiner Versicherung nachfragen.

Info: Stille Reserven

Lebensversicherungen müssen ihre Kunden auch an den „stillen Reserven“ beteiligen – also an noch nicht realisierten (Kurs-)Gewinnen, die mit den Beiträgen erwirtschaftet worden sind. Laut Gesetz steht jedem einzelnen Kunden die Hälfte der auf ihn entfallenden Bewertungsreserven zu.

Allerdings ist dieser Posten in der Standmitteilung je nach Anbieter ganz unterschiedlich hoch – und er kann sich im Lauf der Jahre sowohl nach oben wie nach unten verändern.


Mehr zum Thema:

Das Hab und Gut schützen, die Familie absichern, nach Unfällen zumindest finanziell aus dem Schneider sein: Für solche Zwecke gibt es alle möglichen Versicherungen. Doch welche Policen sind unverzichtbar oder zumindest wirklich nützlich?

aktualisiert am 09.10.2017

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang