Bio-Boom

Lebensmittel: Öko-Ware kommt meist aus dem Ausland


Berlin. In der Kantine, im Supermarkt und im Discounter: Bio-Lebensmittel sind zur bezahlbaren Selbstverständlichkeit geworden. Vorbei die Zeiten, in denen man Produkte aus ökologischer Landwirtschaft nur im Naturkostladen für viel Geld bekam.

Seit dem Jahr 2000 hat sich deutschlandweit der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln von 2,1 Milliarden auf 7 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. „Und die Nachfrage wird zukünftig noch weiter steigen“, prophezeit Stefan Zwoll, Geschäftsführer vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Berlin. Also Bio gut, alles gut?

„Nein“, sagt der Experte, „denn die Schere zwischen Angebot und Nachfrage nach heimischen Produkten geht hier auseinander.“ Die Folge: Der Markt wird zu gut der Hälfte von einem ausländischen Angebot bedient. In den Bio-Regalen der Discounter liegen Tomaten aus Spanien, Kartoffeln aus Ägypten und Brokkoli aus Ecuador. Die heimischen Bauern kommen mit der Produktion nicht mit. Der Anbau-Standort Deutschland stagniert.

Wer als Bauer auf „Bio“ umstellen will, hat es gegenwärtig schwer. „Das liegt zum einen daran, dass es immer schwieriger wird, an neue Flächen heranzukommen“, so Zwoll. In fast allen Regionen Deutschlands gehen die Flächenpreise nach oben.

Denn auch aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist es für Landwirte wesentlich lukrativer, Mais für Bio-Gasanlagen oder Bio-Sprit anzubauen. „Ein Öko-Bauer kann kaum mithalten, wenn der konventionelle Kollege, der Mais als Energiepflanze anbaut, mit 2.000 Euro pro Jahr und Hektar subventioniert wird.“ Gegen diese einseitige Förderpolitik gingen Mitte Januar Tausende Bauern in Berlin auf die Straße.

Zum anderen: Wer als Bauer ohne Spritzmittel anbaut, braucht Arbeitskräfte, um Unkraut zu bekämpfen. Aber die Lohnkosten in Deutschland sind vergleichsweise hoch, sagt der Präsident des Bauernverbands Joachim Rukwied. „Bio-Bauern in anderen Ländern produzieren deutlich günstiger.“ Und das macht die Ware bezahlbar.

Übrigens: Verbraucher, die regional einkaufen möchten, können sich seit Jahresbeginn anhand des „Regionalfensters“ auf Lebensmitteln über deren Herkunft informieren.

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