40 Jahre Mondlandung

Leben im All


Wissenschaftler haben große Pläne – die Wirtschaft profitiert

Berlin. Ein Raumschiff landet auf dem Mond. Astronauten betreten den staubigen Boden. Sie steuern ein Gebäude an. Darin werden sie leben und arbeiten …

So malen sich deutsche Forscher, 40 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung, die Zukunft etwa ab 2020 aus. „Bauen für ein Leben auf dem Mond“ war jüngst Thema eines Symposiums in Kaiserslautern, veranstaltet von der dortigen Technischen Universität und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Eine Mond-Nacht dauert 14 Tage

Der Erdtrabant sei „ein wichtiger Ausgangspunkt für das Vordringen ins Weltall“, erklärt DLR-Vorstandschef Professor Johann-Dietrich Wörner. Konsequent ist daher „der Aufbau einer Basis auf dem Mond, die Forschern Schutz und Arbeitsräume bietet“. Nicht leicht: Da schlagen Meteoriten ein, es gibt riesige Temperaturgefälle; ob es Wasser gibt, ist unklar.

Problematisch ist die Hygiene auf dem Mond. Einmal Niesen – und schon lagern sich überall „Biomoleküle“ ab, weiß der Mediziner Rainer Hanselmann aus Göttelborn im Saarland: „Die fangen an zu wachsen und produzieren Gerüche.“ Außerdem sind sie ungesund und schädigen das Material. Doch Hanselmann weiß Abhilfe: „Durch nanotechnologische Beschichtung lässt sich verhindern, dass sie sich ablagern und vermehren.“

Seine Firma stellt solche mondtauglichen Materialien schon heute her – für Einsatzbereiche in der Medizin. Warum sie in der Raumfahrt mitmischt? „Da werden sehr hohe Standards erwartet. Das zeichnet unsere Produkte aus, auch für andere Anwendungen.“

Eine Nacht dauert auf dem Mond 14 Tage – da bringen Solarzellen wenig. Professor Achim Gottscheber aus Heidelberg hat die Idee, Sonnenenergie mit einem „Hubspeicher-Kraftwerk“ zu sammeln. Auf der Erde pumpen solche Kraftwerke Wasser von einem See zu einem höher gelegenen See, um es später abzulassen und so Strom zu erzeugen. „Das funktioniert im Prinzip auch auf dem Mond“, erklärt Gottscheber. „Man könnte dort Gestein in hellen Zeiten mit Sonnenstrom nach oben transportieren und später wieder herunterlassen.“

Andere Experten haben erforscht, wie man auf dem Mond Reis pflanzt. Oder wie man vor Ort Gestein zu Beton verarbeitet. Auch gegen die gefährlichen Gamma-Strahlen gibt es Konzepte – etwa unterirdische Mond-Bauten oder starke künstliche Magnetfelder.

Der Mond ist wieder umlagert: Einige Nationen schickten jüngst Sonden, suchen nach Landeplätzen. Das Unternehmen EADS Astrium untersucht jetzt für das DLR, wie zunächst ein unbemanntes Fahrzeug sanft auf dem Mond aufsetzen könnte.

Impulse für Innovationen

Unsere Raumfahrt-Industrie steigerte 2008 den Umsatz um 15 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro – davon kommen rund 920 Millionen von der Regierung. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 10 Prozent auf 6.100.

Viele Produkte aus der Raumfahrt finden auch auf der Erde Anwendung. Wie der Taschenrechner, die Quarzuhr und der Klettverschluss.

Auch eine Mondstation würde die Wirtschaft ankurbeln. DLR-Chef Wörner: „Schon jetzt gibt der Ideenaustausch zum Bauen auf dem Mond Impulse für Innovationen, zum Beispiel in der Materialforschung.“

Barbara Auer

„Es könnte Rohstoffe geben“

Die Europäische Raumfahrt-Organisation ESA hat sechs neue Astronauten rekrutiert. Darunter ist Alexander Gerst. Der 33-jährige Geophysiker hat bisher Vulkane erforscht und könnte der erste Deutsche auf dem Mond sein.

Interview

AKTIV: Wie wird man eigentlich Astronaut?

Gerst: Man bewirbt sich bei der ESA. Ausschreibungen gibt es allerdings nicht so oft, vielleicht alle zehn Jahre. Dann kommen viele Tests und Interviews. Zum Beispiel Mathe-Tests, Englisch-Tests, Merktests. Und Gesundheitstests – allein die haben eine Woche gedauert.

AKTIV: Sie wurden unter 8413 Bewerbern ausgewählt. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Gerst: Eigentlich gar nicht. Mir fehlte die Zeit. Direkt vor dem ersten Test musste ich zum Beispiel eine wichtige Expedition organisieren. Und ohnehin sind die Tests so angelegt, dass man sich dafür gar nicht wirklich vorbereiten kann oder muss.

AKTIV: Was fasziniert Sie besonders am Mond?

Gerst: Sehr vieles. Er ist vermutlich aus unserer Erde heraus entstanden, und liefert Informationen über den Status, in dem die Erde vor Millionen Jahren war. Daraus können wir viel über unseren Planeten lernen. Außerdem ist der Mond auch ein Sprungbrett zum Mars.

AKTIV: Wissen wir also noch zu wenig über den Mond?

Gerst: Absolut! Seine Oberfläche ist viermal so groß wie Europa. Menschen sind bisher an sechs Stellen gelandet, haben ein paar Steine eingesammelt – wir wissen also nicht viel. Wer weiß, es könnte unter anderem wichtige Rohstoffe geben.

AKTIV: Und was das Universum insgesamt betrifft: Welche Fragen brennen in Ihnen?

Gerst: Was ist unser Platz im Universum? Wie hat sich auf der Erde Leben entwickelt? Sind wir allein?

BA

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