Bremer Unternehmertag

„Lasst doch auch mal Fehler zu!“


Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger: Aus 2.000 Ideen werden am Ende 10 Produkte

Nachdenklich wurden die 500 Gäste des Bremer Unternehmerforums, als Gastredner Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, sagte: „Fördern Sie das Vertrauen im Betrieb, nutzen Sie alle Möglichkeiten und lassen Sie auch Fehler zu. Aus durchschnittlich 2.000 Ideen werden am Ende lediglich 10 Produkte. Man muss auf dem Weg zum Produkt auch Entwicklungen in den Papierkorb werfen.“

Es geht um eine gute Zukunft. Denn der Vorsprung Deutschlands auf den Weltmärkten schmilzt. Asien, Osteuropa, Mittel- und Südamerika holen auf. „Wir können unseren erhöhten Lebensstandard nur halten, wenn wir schneller und besser sind als der Wettbewerb“, sagt Bullinger zur Förderung der angewandten Forschung. Und das, so der jüngst vom „Manager-Magazin“ zum „Manager des Jahres“ gekürte Hochschullehrer, funktioniere nur mit Innovationen, also mit neuen Ideen und Produkten.

Fax, PC, MP3: Chance verpasst

Die aktuelle Krise sieht er als Chance, den Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. „Das gilt aber nur für diejenigen, die eine klare Strategie mit einem guten Team, dem Willen zu gewinnen und praktikablen Bewertungsmethoden verknüpfen könnten. Aktionsfelder gibt es genug. Es sind die Zukunftsthemen der Menschheit: Energie, Sicherheit, Umwelt, Gesundheit, Kommunikation und Mobilität“, so Bullinger.

Sein Instituts-Verbund forscht gegenwärtig an zahlreichen Themen aus den genannten Bereichen. Allein in Bremen und Bremerhaven sind drei Fraunhofer-Institute angesiedelt, die sich mit den Themen Gesundheit, Mate- rialforschung und Windenergie beschäftigen. Aber Innovation besteht nicht ausschließlich aus Forschung, manchmal reicht auch der gesunde Menschenverstand.

Nicht immer gelingt es, aus Forschungsergebnissen anwendungsfähige Produkte zu entwickeln. So müssen die Resultate auch mit einem funk­tionierenden Marketing verknüpft werden. Da besteht Nachholbedarf.

Bullinger nannte als Beispiele das Fax und den Computer – deutsche Erfindungen, die aber von ausländi- schen Unternehmen erfolgreich auf den Markt gebracht worden sind. Auch die Früchte der MP3-Forschung ernten heute andere. Denn in Deutschland fand sich kein Unternehmen, das das pikanterweise von Forschern der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelte Prinzip vermarkten wollte. Erst Amerikaner und Japaner erkannten den Wert der Erfindung.

Innovationen sind kein Zufall

Wie muss ein innovatives Unternehmen aussehen? Auch dazu hat sich Bullinger Gedanken gemacht. Es braucht Leitbilder, Vorbilder und Visionen. Starres Denken in Führungsebenen hilft dagegen nicht. Schließlich müssten die Mitarbeiter vom  Sinn ihres Tuns überzeugt sein. Kommt dann auch noch Teamgeist dazu, ist der Nährboden für eine innovationsfreudige Firma gelegt.

„Innovationen sind kein Zufall“, meint Bullinger. Jedes Unternehmen könne viel dafür tun. Er forderte die Gäste des Unternehmerforums auf, eine entsprechende Kultur in ihren Betrieben zuzulassen.

Lothar Steckel

Bremen braucht Köpfe für die Zeit nach der Krise

Verbandspräsident Ingo Kramer fordert langen Atem bei Forschungsförderung

Die Krise, obgleich ausdrücklich kein Thema des Unternehmerforums, schien doch immer wieder durch.

Auch Ingo Kramer, Präsident der Unternehmensverbände im Lande Bremen und Gastgeber des Unternehmerforums, kam nicht an ihr vorbei. „Wir müssen die Innovationsfähigkeit der Unternehmen erhalten, um nach der Krise wieder durchstarten zu können“, sagte er und fügte an: „Deshalb geht der Produktionsrückgang in dieser Zeit nicht mit einem Beschäftigungsrückgang einher. Unsere Betriebe be­halten die Menschen an Bord. Wir brauchen die Köpfe für die Zeit nach der Krise.“

Bremen in der Spitzengruppe

Beim Thema Innovationsfähigkeit ist Bremen Spitze. „Das zeigt“, so Kramer, „die aktuelle Studie der Deutschen Bank, die unser Bundesland in der Spitzengruppe der innovativen deutschen Wirtschaftsregionen einordnet. Wir ernten heute die Früchte der jahrzehntelangen Förderung unserer Hochschulen und Unis.“

Allerdings sei auch in den nächsten Jahren ein langer Atem bei der Forschungsförderung nötig. Auch dürfe man mit verstärkten Anstrengungen bei der Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis auf keinen Fall nachlassen.

Ebenso zog Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen eine positive Bilanz der Bildungspolitik des kleinsten Bundeslandes. „Wir haben Anlass zu Selbstbewusstsein“, sagte er. In Bremen wisse man, dass Innovationen Arbeitsplätze schaffen.

„Deshalb investieren wir im Vergleich mit anderen Bundesländern überproportional viel in unsere Hochschulen und Unis“, so der Präsident des Senats.

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