„Wasch mir den Pelz ...“

Langsam nervt sie: Die Endlos-Debatte um die Rente mit 67

Herausgeber Ulrich Brodersen

Der lange Marsch zur Rente mit 67, die ja in Etappen bis 2031 eingeführt wird, hat 2012 begonnen. Obwohl die Entscheidung schon 2007 fiel, nutzen Politiker verschiedener Parteien, Gewerkschafter und Medien jede Möglichkeit, heftige Zweifel an der Richtigkeit dieses Wegs in die Öffentlichkeit zu tragen. Erstaunlich ist das geringe Niveau dieser immer wieder neu angefachten Debatte.

Zu ihr gehört etwa diese Meldung, die durch viele Medien geisterte: Der Anteil derer, die vorzeitig in Rente gehen, sei im letzten Jahrzehnt von 14,5 auf 47,5 Prozent gestiegen. Jedem neutralen Beobachter musste das fragwürdig vorkommen. Für Kritiker der Rente mit 67 – von CSU-Chef Horst Seehofer bis zur Linkspartei – war es hingegen Wasser auf die Mühlen.

Dabei bezog sich der Zahlenvergleich nur auf den Anteil, der bei vorzeitigem Rentenbeginn einen Abschlag hinnehmen musste. Gestiegen ist dieser Anteil, weil frühere breite Tore in die Frührente geschlossen wurden. Insgesamt ging das durchschnittliche Renteneintrittsalter im Zeitverlauf klar nach oben.

Nicht weniger fragwürdig ist die Forderung, der Weg in die Rente mit 67 solle erst beginnen, wenn die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sei. Haben sich nicht viele derer, die das heute verlangen, lange erfolgreich für das Gegenteil starkgemacht, nämlich den Ausbau der Frühverrentung?

Das Umsteuern braucht halt etwas Zeit. Und „die Hälfte“ ist als Zielmarke ziemlich willkürlich gewählt. Zumal man ja nicht weiß, wer von den Älteren nicht arbeiten darf und wer bloß nicht mehr möchte.

Die Frauen in Deutschland bringen im Schnitt nur noch 1,6 Kinder zur Welt, die Bevölkerung schrumpft, die noch geburtenstarken Jahrgänge kommen nun nach und nach ins Ruhestands­alter. Was also tun? Höhere Beiträge, Rentenkürzungen oder eben Anhebung des Verrentungsalters? Jede der drei Möglichkeiten wird von einer Mehrheit abgelehnt. Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“

Da können auf Wählerstimmen schielende Politiker schon auf dumme Gedanken kommen. Einen, der ihnen stets nahelag, verhindert nun die neue Schuldenbremse. Die Faktenlage aber spricht für die Rente mit 67: Das allmähliche Anheben der Altersgrenze gleicht gerade mal die in derselben Zeit zu erwartende Verlängerung der Lebenszeit aus. Aber sie führt zu einem höheren Anteil der Erwerbstätigen relativ zu den Rentnern – was die Rentenhöhe günstig beeinflusst.


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