Innovation

Lang, schlank und leistungsstark


Bremer Spinnbau entwickelt weltweit einmalige Sechs-Meter-Walze für die Textilindustrie

Bremen. Ob Ärztekittel, Operationstücher oder Hygieneartikel, wer Produkte mit höchsten Ansprüchen an Haltbarkeit und Funktionalität herstellen will, braucht spezielle Produktionsanlagen. Die kommen aus Bremen-Nord von der Spinnbau GmbH.

Das Traditionsunternehmen baut die zur Herstellung der Spezialstoffe benötigten Maschinen und liefert sie an Kunden rund um den Globus. „Wir produzieren Krempel. Das sind Textilmaschinen, die aus Natur- und Kunststoff-Fasern Textilien verschiedenster Art erzeugen“, sagt Hartmut Freund, technischer Leiter der Spinnbau. Auf den Maschinen der Bremer entstehen unter anderem Ausgangsstoffe für Schlafdecken, Bekleidungsvliese, Filtermedien, Flüssigkeitsfilter und Beschichtungsträger.

„Der Markt für Vliesstoffe wächst jährlich um etwa 6 Prozent. Zwei Produktgruppen sind dabei hervorzuheben: Nadel-Vliesprodukte und wasserstrahlverfestigte Produkte“, erklärt Firmenchef Siegfried Bernhardt. Beide Gruppen können auf den Spinnbau-Anlagen verarbeitet werden.

Wichtig dabei: Da sehr feine Fasern – Baumwolle mit Zellwolle oder Polyester vermischt – veredelt werden, müssen die Maschinen millimetergenau über eine große Breite arbeiten. Diese Präzision zeichnet die Spinnbau-Produkte aus.

Mehr Breite, mehr Aufträge

Herzstück der Krempelmaschinen sind mit Nadeln oder Sägezahndrähten bestückte Walzen. Sie rotieren und richten die losen Textilfasern zu einem Flor oder Vlies aus. Je schneller sie sich drehen, umso besser wird der Flor, je länger die Walzen, umso höher die Produktivität. „Wir haben schon vor einigen Jahren beobachtet, dass der Markt stetig breitere Maschinen anfragt“, erklärt Spinnbau-Techniker Freund. Doch ab 4,50 Meter Länge war für herkömmliche Stahlwalzen Schluss.

Das hat physikalische Gründe: Die Walzen sind zu schwer, biegen sich durch und werden bei höheren Drehzahlen instabil. Dennoch verlangte der Markt nach mehr als fünf  Meter breiten Krempeln. „Wir haben damals sogar Aufträge verloren, weil wir die nicht liefern konnten“, berichtet der Technik-Leiter. Deshalb begannen die Ingenieure gemeinsam mit Wissenschaftlern der Uni Bremen und zwei weiteren Unternehmen, mit Walzen aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen (CFK) zu experimentieren.

Eine Sechs-Meter-Walze war das Ziel. Denn: „Nur mit leistungsfähigeren und größeren Maschinen, also mit Innovationen, sind wir dem Wettbewerb  ein Stück voraus.“

Die erste Sechs-Meter-Walze aus CFK hat kürzlich alle Tests erfolgreich bestanden. Sie ist schwingungsarm, leicht, erreicht hohe Drehzahlen, ist temperaturkonstant und langlebig. Nur noch eine Frage der Zeit, wann auch sie im Praxiseinsatz ist.

Neue Generation von Antrieben

Inzwischen haben die cleveren Maschinenbauer aus Bremen-Nord erneut Neuland betreten. In Kooperation mit anderen Unternehmen und Wissenschaftlern der Bremer Uni haben sie auch die neue Walzengeneration noch einmal verbessert.

Auf der Hannover Messe stellten sie einen innovativen Direktantrieb für die Sechs-Meter-Walze vor. Er spart Platz und sorgt überdies für hohe Drehzahlen.

Info: Spinnbau GmbH

Trotz schwächelndem Dollar: Rund 80 Prozent der Spinnbau-Produktion geht in den Export, vor allem nach China, Europa und in die USA. Hohe Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationen sichern die führende Weltmarktposition.

Mehr als 25 große Krempelmaschinen verkauft Spinnbau jährlich, seit der Gründung 1947 haben mehr als 8.000 Spezialmaschinen das Unternehmen verlassen.

Der Umsatz erreichte 2007 rund 20 Millionen Euro. Insgesamt sind 80 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1996 gehört Spinnbau zur Dilo-Gruppe in Eberbach (Baden-Württemberg).  

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