Konjunktur

Land in Sicht?


Immerhin: In Betrieben der Metall- und Elektro-Industrie wächst wieder die Zuversicht

In unserer größten Industriebranche keimt Hoffnung auf: Die Zahl der Aufträge steigt. Doch Mitte des Jahres lag sie immer noch um 12 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen.

Christian Geiges muss sich konzentrieren: Er prüft das Schwingungsverhalten eines Heckklappen-Getriebes, als Maschinenbau-Ingenieur im Labor des badischen Automobil-Zulieferers IMS Gear. „Wir haben wieder gut zu tun“, sagt er. Da liegt Hoffnung in der Luft.

Im Herbst 2008 sah die Lage ganz anders aus. Ein Auftragsrückgang von 30 Prozent zeichnete sich für 2009 ab. Eine dramatische Situation, wie in vielen Betrieben: Branchenweit sank der Auftragseingang im vorigen Jahr um fast ein Viertel. Und der Vorkrisenstand wäre erst wieder erreicht, wenn es dauerhaft 12 Prozent mehr Aufträge gäbe als im Juni 2010.

IMS Gear musste 10 Millionen Euro einsparen. So gelang es: Alle verzichteten auf 10 Prozent vom Entgelt, vom Auszubildenden bis zum Aufsichtsrat. Geschäftsführer Clemens Rosenstiel: „So konn- ten wir den Abbau von 100 Stammarbeitsplätzen verhindern.“ Und dies, obwohl das Minus bei den Aufträgen im ersten Halbjahr 2009 mit 50 Prozent noch viel dicker ausfiel als erwartet. „Es war selbstverständlich“, sagt Rosenstiel, „dass auch die Geschäftsleitung den Gürtel enger schnallt.“

Außerdem hat die Firma mit Hauptsitz in Donaueschingen Beschaffungs- und Lagerkosten verringert sowie Verträge von Zeitarbeitern und befristet Beschäftigten auslaufen lassen.

„Vom Entgeltverzicht profitieren alle“

Ab Dezember 2008 war Kurzarbeit angesagt. Der für die Produktion zuständige Geschäftsführer Norbert Willmann erzählt: „Dagegen haben wir Entwicklung und Vertrieb forciert, um zusätzliche Aufträge zu gewinnen.“

Ingenieur Geiges findet den gemeinsamen Entgeltverzicht selbstverständlich und fair.  „Letztlich profitieren doch alle davon“, sagt er. Seine Kollegen sehen das ähnlich. Für den angehenden Werkzeugmechaniker Stefan Wangler beispielsweise „ist die Ausbildung wichtiger als Geld“. Und der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Harter sagt: „Wir haben damit Arbeitskräfte erhalten, die wir jetzt dringend brauchen.“

Das Geld gibt’s übrigens wieder zurück. Die Hälfte stand bereits Ende 2009 auf den Lohnzetteln, der Rest folgt. Und die Kur hat sich für IMS Gear gelohnt. Heute hat das Unternehmen mit seinen weltweit 1.400 Beschäftigten sogar 40 Mitarbeiter mehr an Bord als vor dem Einbruch.

Schon dieses Jahr wollen die Geschäftsführer wieder den Umsatz von 2007 erreichen, den besten der Firmengeschichte. Die Chancen stehen gut, die Nachfrage nach den Getrieben und Zahnrädern des Unternehmens zieht an. „Auch in Elektro-Autos werden unsere Steuerantriebe gebraucht“, sagt Willmann mit Blick in die Zukunft. Jetzt entsteht am Firmengelände sogar eine neue Produktionshalle.

„Wir sind optimistisch“

Große Sprünge sind bei dem Druckmaschinen-Hersteller Koenig & Bauer in Würzburg noch nicht drin. Das Umfeld ist schwierig: Im Schnitt hatten die deutschen Hersteller von Druckereimaschinen im Jahr 2009 mit einem riesigen Auftragsminus von 41 Prozent zu kämpfen. Koenig & Bauer verlor 31 Prozent des Umsatzes, der Konzern musste ein Viertel der 8.000 Stellen streichen. Die Branche rechnet auch auf längere Sicht mit einem kleineren Weltmarktvolumen.

Im ersten Halbjahr 2010 bekam das Unternehmen allerdings 39 Prozent mehr Aufträge als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es konnte sich bis jetzt vor allem auf die Märkte in Asien, Lateinamerika und Afrika verlassen. Der Vorstandsvorsitzende Helge Hansen ist „optimistisch, dass sich die positiven Tendenzen des ersten Halbjahres in den nächsten Monaten fortsetzen werden“. Der Umsatz soll 2010 um 7,5 Prozent steigen. Die Kurzarbeit läuft aus.

Die Metall- und Elektro-Industrie insgesamt muss indes noch mit großen Risiken leben. Zuletzt kündigten Forschungsinstitute eine deutliche Konjunkturabkühlung an – vor allem in Exportregionen wie China und den USA.

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