Kreativität

Land der Denker


In Deutschland gibt es 133 Erfinderclubs

Mosbach. „Heureka!“, riefen im antiken Griechenland Leute, die ein Problem gelöst hatten. Das hieß: „Ich hab’s!“ Der Ausruf, ursprünglich vom Ma­thematiker Archimedes, hielt sich lange, auch bei uns. Heute hört man ihn fast nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass die Erfinder aussterben: Unser Land zum Beispiel hat 50.000 freie Erfinder.

Das schätzt der Europäische Erfinderverband. Doch wo sind sie alle, die Tüftler und Denker? Zum Beispiel in einem der 133 Signo-Erfinderclubs. Jürgen Eckert, Vorsitzender des Erfinderclubs in Mosbach (Baden-Württemberg), sagt: „Erfinder, das sind Menschen wie du und ich!“ In Mosbach treffen sich keineswegs komische Käuze, sondern Praktiker, und zwar mehrmals im Jahr.

Gemeinsam an Problemen tüfteln

Mit dabei ist zum Beispiel der kriegsblinde Paul Muhr. Er hat einen ergonomisch geformten, gefederten Blindenstock entwickelt. Der verringert die Stöße aufs Handgelenk.

Und weil es vom Blindenstock zur Gehhilfe kein großer Gedankensprung war, erfand er diese auch gleich, und dazu Nordic-Walking-Stöcke. Das Be­sondere daran ist, dass man sie klein zusammenfalten kann.

Clubmitglied Jürgen Eberhardt ärgerte sich über die sperrigen Spielsachen seiner Kinder. Deshalb optimiert er jetzt bereits seit 1997 seinen selbst erfundenen Kaufladen, der sich flach zusammenklappen lässt. 

Manchmal kommen auch Ideen von außen: So wurde an Eckert die Bitte herangetragen, einen Sensor zu entwickeln, mit dem Herzspezialisten den Sauerstoffgehalt im Blut eines Säuglings messen können, ohne Blut abzunehmen. Eckert, hauptberuflich Do­zent an einer Berufsakademie, gab die Frage an den Mechatronik-Studenten Eric Latza weiter. Der fand die Lösung, schrieb darüber seine Diplomarbeit, und heimste auf der Nürnberger Erfindermesse eine GoldMedaille ein.

Lösungen müssen realisierbar sein

„Fragestellungen gibt es genug“, sagt Friedhelm Limbeck, Vorsitzender des größten Signo-Erfinderclubs in Bad Münstereifel. „Das Schwierige ist, Lösungen zu finden, die auch realisierbar sind.“

Dazu braucht man Ruhe – darüber sind sich Erfinder ei­nig. Man muss dranbleiben, bis viele kleine Verbesserungen zum großen Ganzen führen. Hilfreich ist, das Problem aus mehreren Perspektiven zu be­trachten. Das klappt besonders gut, wenn Angehörige verschiedener Berufsgruppen im Ge­spräch sind.

Und wenn’s doch nichts war? „Dann lege ich mich wie Archimedes in die Badewanne und sinniere weiter“, erzählt Erfinder Eckert und lacht. „Dort kommen mir immer die besten Ideen.“

Info: Die Signo-Erfinderclubs

„Signo“ steht für „Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung“ und ist eine Initiative des Bundeswirtschaftsminis­teriums. Ein Baustein davon sind die Erfinderclubs, die sich an freie Erfinder sowie an Kinder und Jugendliche richten.

Derzeit werden 133 Clubs gefördert. Seit 1997 meldeten Club­mit­glieder 2936 Patente an. Neue Clubs können sich unter www.signo-deutschland.de/erfinder um die Förderung bewerben.

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