Ölpreis fällt – trotz vieler Krisenherde

Lage in der Ukraine und Nahost lässt Rohölmärkte kalt

Hamburg. Kein Tropfen Öl wird mehr aus dem Norden des Irak exportiert, seit dort die Terrortruppe Isis wütet. Das Bürgerkriegsland Syrien fällt sogar komplett aus als Lieferant. Und dennoch kann Libyen, das eilig seine Förderung wieder angeworfen hat, Rohöl nur mit Abschlägen loswerden.

Denn trotz Krisen, vom Nahen Osten bis zur Ukraine: Der Ölpreis fällt. Dabei hatte noch 2008 das Öl-Embargo gegen den Iran gereicht, um einen massiven Preisanstieg auszulösen. Was ist diesmal anders? „Weil zufällig einige Entwicklungen zusammenkommen“, sagt der Ökonom Steffen Bukold, „gibt es keine Knappheit.“

Verbrauch in Europa leicht gesunken

Erstens schwächelt die globale Nachfrage. „In China wächst die Wirtschaft langsamer als früher – von dort gibt es weniger Nachfragedruck als bisher“, so Bukold, Chef des Hamburger Beratungsbüros EnergyComment. „Und in der EU liegt der Verbrauch derzeit um 1 Prozent niedriger als vor einem Jahr.“

Zweitens steigert der weltweit wichtigste Player im Markt massiv die Förderung. „In den USA wirkt sich die Gewinnung von Schieferöl durch das Fracking aus“, so der Marktbeobachter. „Mussten die Amerikaner früher noch zwei Drittel ihres Ölbedarfs importieren, so wird es im kommenden Jahr wohl nur ein Drittel sein – und der Anteil wird weiter sinken.“

Drittens schließlich, so Bukold, hänge der Preis auch an der Psychologie. „Der Rohölmarkt in den USA ist entspannt, und in der Folge ist es auch der in Europa.“ Bukold rechnet deshalb so schnell nicht mit einer Trendumkehr.

Dass die Welt derzeit im Öl schwimmt, liegt zu einem kleinen Teil auch an gestiegener Förderung in Saudi-Arabien – dem führenden Staat des Öl-Förderkartells Opec. Allerdings, so der Experte, wird der Wüstenstaat auch dafür sorgen, dass der Ölpreis sich nicht unter 100 Dollar einpendelt: „Dann wird die Produktion gedrosselt.“


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