Standpunkt

Kutsche und Polo


Wohlstand für die Massen – das ist die große Leistung der Marktwitschaft

Der „arabische Frühling“, der Aufstand gegen Despoten von Libyen bis Jemen, wird von Medien und Politik vor allem als ein Ruf nach Freiheit und Demokratie gefeiert. Doch für Joseph Stiglitz, den linksgerichteten US-Professor und Träger des Wirtschaftsnobelpreises, ist ein drittes, ökonomisches Motiv noch wichtiger: der Protest gegen Ungleichheit.

Und er merkt an: Dieses Übel sei ja nun gerade auch in den USA zu beklagen. „Die oberen 1 Prozent Amerikaner beziehen jährlich fast ein Viertel des Volkseinkommens.“

Nun ist das Volkseinkommen keine Zahlkasse, aus der man etwas „beziehen“ könnte. Sondern eine rechnerische Größe: die Summe aller Einzeleinkommen. Der Sachverhalt wäre daher zutreffender so zu beschreiben: „Die oberen 1 Prozent tragen ein Viertel zum Volkseinkommen bei.“

Auch diese Relation, die ja bei uns nicht annähernd ihresgleichen findet, mag man als unausgewogen ansehen. Sie ist ein Indiz dafür, dass es Formen des legalen Gelderwerbs gibt, die von sozialer Interaktion weitgehend abgekoppelt sind.

In einer wohlgeordneten Marktwirtschaft ist Geld nur „sozial“ zu erwerben: Was der eine leistet (ob als Chef oder etwa am Band) ist anderen Leuten einen Teil des eigenen Leistungsertrags wert. Legal ist die Sozialbindung des Gelderwerbs nur zu umgehen, weil die Staaten über ihre Zentralbanken ständig neues Papiergeld in die Wirtschaft pumpen, das nicht durch Leistung gedeckt ist. Dabei entstehen Papiereinkommen, die von Leistungseinkommen am Ende nicht zu unterscheiden sind. Wer das ändern wollte, müsste das Geldwesen privatisieren.

Aber zurück zur Verteilungsfrage: Nicht darauf, dass es allen gleich, sondern dass es allen besser geht, kommt es an. Und da vollbringt die Marktwirtschaft seit gut 200 Jahren welthistorisch einzigartige Leistungen.

Der heutige Unterschied zwischen einem Rolls-Royce und einem VW Polo ist geringer als der zwischen einer Kutsche und Holzschuhen am Ende des 18. Jahrhunderts. So gesehen wächst mit dem Wohlstand auch die Gleichheit. Auch wenn es zwischen den Menschen immer Unterschiede und damit Ungleichheit geben wird.

Noch wichtiger: An der Wiege der Marktwirtschaft standen die Abschaffung von Rechtsungleichheit und Standesprivilegien; erst so kann sich Leistung entfalten.

Der Ertrag sozialgebundener Leistung sollte jedem gegönnt sein. In jeder Höhe.

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