Wirtschafts-Krise

„Kurzarbeit ist besser als arbeitslos“


Sartorius: Rückgang in der Mechatronik, Biotechnologie läuft stabil

Göttingen. Industriemechaniker Ali Sinanoglu ar­beitet seit rund 30 Jahren bei der Sartorius AG in Göttingen. Waagen und andere Messgeräte für Labors der Chemie-, Lebensmittel- oder Pharma-Industrie stellen er und seine Kollegen her. Doch im Bereich der Me­chatronik der Sartorius AG sind seit November vergangenen Jahres die Aufträge deutlich zu­rückge­gangen.

„Dass innerhalb so kurzer Zeit schlagartig die Ar­beit weniger wurde, habe ich in meiner langen Zeit bei Sartorius noch nicht er­lebt“, sagt Sinanoglu.

Alle Kosten auf dem Prüfstand

Mechatronik-Produkte sind als Investitionsgüter grundsätzlich konjunkturanfällig. Deshalb musste der Konzern in diesem Bereich reagieren. Die Unternehmensführung leitete bereits im November 2008 Maßnahmen ein, um die Kosten den zu er­wartenden geringeren Um­sätzen anzupassen: Es wurden alle Investitionen und Sachkosten auf den Prüfstand gestellt. Es folgten die Personalkosten. Erst konnten Zeitarbeitskräfte nicht wei­terbe­schäftigt werden, befristete Arbeitsverhältnisse wurden nicht verlängert. Dann baute man die Guthabenstunden auf den Arbeitszeitkonten ab und wo immer möglich wurde Resturlaub genommen.

Um Entlassungen zu vermeiden, nutzt Sartorius wie viele andere Betriebe seit Januar 2009 auch das In­s­trument Kurzarbeit. Sina­noglu gehört zu den 650 Mitarbeitern der Mechatronik-Sparte, die ihre Arbeitszeit um 15 bis 20 Prozent ge­senkt haben. Für viele Beschäftigte ist das zurzeit eine Vier-Tage-Woche.

„Klar, das ist für uns alle eine schwierige Zeit“, meint Detlev Urban, Leiter der Teilefertigung. „Schließlich gibt es auch weniger Geld. Aber besser so als arbeitslos.“

Nicht nur in der Produktion, auch in der Verwaltung gibt es weniger zu tun. Rund 160 Personen arbeiten hier seit Februar 11 Prozent weniger.

Das Modell bei Sartorius at­met: Die Arbeitszeitverkürzung ist unmittelbar an die Auftragseingänge geknüpft. „Wir haben eine sehr schnelle Fabrik“, erklärt Urban. „Eingehende Auf­­träge werden sofort ,verumsatzt‘. Und entsprechend hoch muss die Flexibilität von Mitarbeitern und Maschinen sein.“

Der Rest kommt von den Arbeitsämtern

Im Durchschnitt, rechnet er vor, haben die Betroffenen zurzeit am Monatsersten rund 7 bis 8 Prozent weniger in der Tasche. Sartorius kann die schwierigen Monate besser überstehen, weil das Unternehmen entsprechend der ab­gesenkten Arbeitszeit ge­rin­gere Gehälter zahlen muss. Den Rest legt die Bundesagentur für Arbeit drauf.

Vom Auftragsrückgang ist bei Sartorius in Göttingen zum Glück nur ein Teilbereich betroffen. Das Biotechnologie-Geschäft, das für gut 60 Prozent des Konzernumsatzes steht, läuft stabil.

Info: Sartorius AG

Der Sartorius Konzern ist ein international führender Labor- und Prozesstechnologie-Anbieter mit den Segmenten Biotech­nologie und Mechatronik. Der Technologie-Konzern erzielte im Jahr 2007 einen Umsatz von fast 623 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit rund 4.600 Mitarbeiter.

Die wichtigsten Kunden von Sartorius stammen aus der pharmazeutischen, chemischen sowie der Nahrungsmittel- und Getränke-Industrie und aus zahlreichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen des öffentlichen Sektors.

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