Flaue Konjunktur in der Metall- und Elektro-Industrie

Kurs halten wird für bayerische Unternehmen immer schwerer


Lohr/Kitzingen/Lauf. Von einer brummenden Wirtschaft kann im Freistaat derzeit keine Rede sein. Es läuft durchwachsen in der Metall- und Elektro-Industrie. Viele Unternehmen wollen zunächst ihr Geschäft stabilisieren – und andere erst mal wieder auf die Beine kommen.

Und das Jahr 2012 lief zum Ende richtig mies für viele Firmen: Die Produktion ging im letzten Vierteljahr um 0,9 Prozent gegenüber den drei Vormonaten zurück. Zudem sank die Auslastung – von 82,5 Prozent im Oktober 2012 auf 80,6 Prozent im Januar 2013.

Zwar geht es in einigen Bereichen weiterhin richtig gut. Die Autohersteller BMW und Audi etwa stehen vor allem dank ihres Asien-Geschäfts glänzend da. Andere Sparten haben jedoch Probleme. Die Elektronik-Industrie zum Beispiel erlitt 2012 Einbußen von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produktion der Anbieter elek­trischer Ausrüstungen brach sogar um 4,6 Prozent ein.

7 Prozent der M+E-Betriebe müssen kurzarbeiten

Viele Firmen haben schon reagiert: Laut Konjunkturtest des Münchner Ifo-Instituts sank der Anteil der M+E-Betriebe mit Überstunden von September bis Dezember 2012 von 40 auf 32 Prozent. Der Anteil der Standorte mit Kurzarbeit aber stieg von 2 auf 7 Prozent.

Auch die Bosch Rexroth AG im unterfränkischen Lohr am Main lässt seit Ende 2012 an einzelnen Standorten kurzarbeiten. In Bayern sind mehrere Hundert Mitarbeiter am Stammwerk in Lohr und in Schweinfurt betroffen.

Der Auftragseingang des Herstellers von Antriebs- und Steuerungstechnik für Maschinen ist zuletzt in einigen Bereichen stark zurückgegangen. Und die Arbeitszeitkonten vieler Beschäftigter, nach zwei guten Jahren reichlich gefüllt, reichen nicht mehr aus, um die Phase zu überbrücken.

„Die Konjunkturzyklen sind kürzer und extremer geworden“, erklärt Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, warum das Geschäft zuletzt noch hervorragend lief, nun aber einige Werke nicht mehr ausgelastet sind. Die weltweite Nachfrage habe sich 2012 deutlich abgeschwächt. Mit einer Entspannung und deutlich mehr Aufträgen rechnet Tragl nicht vor dem zweiten Halbjahr 2013.

Auf erfolgreichere Zeiten hofft auch Josef Ramthun, geschäftsführender Gesellschafter der Gießerei Franken Guss in Kitzingen nahe Würzburg. Der Umsatz lag 2012 zwischen Oktober und Dezember rund ein Fünftel unter dem Niveau der Vormonate. „Derzeit halten wir den Kopf gerade noch über Wasser“, sagt der Unternehmer. Aber er vermutet: „Uns geht es wahrscheinlich noch besser als anderen Gießereien.“

Auch die Zeitkonten der Mitarbeiter von Franken Guss sind allerdings schon geschmolzen. Zeitarbeit wurde weitgehend abgebaut. Ramthun befürchtet: „Wenn das Geschäft noch länger so schlecht bleibt, werden wir unsere Strukturen weiter anpassen müssen.“

Schlechte Nachrichten aus Asien – und kein großes Vertrauen in Europa

Anzeichen für eine bevorstehende Belebung des Geschäfts sieht der Gießerei-Chef noch nicht. „Wir stabilisieren uns gerade auf niedrigem Niveau“, sagt er. Damit müsse man zunächst einmal leben – genauso wie mit der Ungewissheit da­rüber, wie es wohl weitergeht. „Wir fahren auf Sicht.

Auch für Tadano Faun, Hersteller von Mobilkränen in Lauf bei Nürnberg, ist Unsicherheit ein großes Thema. „Unsere Auftragslage ist momentan noch zufriedenstellend“, sagt Geschäftsführer Rolf Sonntag. Er fragt sich jedoch mit Sorge, wie lange das so bleibt.

In einigen Überseemärkten, vor allem in China, ist im vergangenen Jahr der Absatz von Baumaschinen um 30 Prozent abgestürzt. Insbesondere Erdbewegungsmaschinen gingen schlecht. „Die sind für uns eine Art Frühindikator“, erklärt Sonntag. Werden weniger Bagger und Raupen gebraucht, kann das verzögert auch die Nachfrage nach Kränen schmälern.

Die fernen Märkte sind jedoch wichtig, um das bedeutende, aber schwache Europa-Geschäft halbwegs auszugleichen. Denn der Heimatkontinent droht auch 2013 nicht so richtig auf die Beine zu kommen. „Die Nachfrage wird wegen der Rezession in den Südländern wohl auf sehr niedrigem Niveau verharren“, schätzt Sonntag.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang