Standpunkt

Krisenzeitung AKTIV


Besonders lohnend: Kellnernde Mini-Jobber kassieren auch das Trinkgeld steuerfrei. Foto Teutopress

Die Menschen nehmen die Ökonomie wichtiger. Wie damals, als dieses Blatt entstand

Die Wirtschaftszeitung  AKTIV geht nun ins achtunddreißigste Erscheinungsjahr. Nicht von ungefähr wurde sie gegründet, als das „Wirtschaftswunder“ aus- und die Massenarbeitslosigkeit anlief.

Wo unternehmerischer Gewinn als „Profit“ angeschwärzt und seine Bedeutung für Arbeitsplätze verdrängt wurde, wo Politik und Gewerkschaften für tunlich hielten, „die Belastbarkeit der Wirtschaft zu testen“ – da war es für Kenner und Freunde der unternehmerischen Wirtschaft an der Zeit, Arbeitnehmern eine Pressestimme der wirtschaftlichen Vernunft zu bieten.

Da es abwärts ging, schrieb AKTIV über die Be­dingungen für Erfolg:  Eigentum, Vertragsfreiheit, stabiles Geld, Wettbewerb, Pflege von Un­ternehmer- und Erfindergeist. Die Politik betrieb hingegen den Ausbau des Sozialstaats, die Verkürzung der Ar­beitszeit, immer mehr Mitbestimmung und Kündigungsschutz. Leistung wurde nach hinten,  Verteilung nach vorn geschoben.

Der frühere Kanzler Helmut Kohl hat das fortgeführt. „Ich will Wahlen gewinnen und nicht den Ludwig-Er­hard-Preis“, sagte er einmal. Das heißt, Wahlen auf die leichte Tour gewinnen zu wollen. Schon zwei Jahre vor Kohls Amtsantritt hatte Präsident Ronald Reagan in den USA gezeigt, wie man mit einem Programm für Wirtschaftsleis­tung Wähler überzeugt.

Eben jetzt, da sie im Zeichen der Finanzkrise Morgenluft wittern, feiern die Freunde der staatlichen Wirtschaftsbevormundung in den USA das „Ende der Reagan-Revolution“. Damit räumen sie im Nachhinein ein, dass der einst von ihnen als nachgemachter Cowboy verhöhnte Ex-Schauspieler die Wirtschaftspolitik der letzten 25 Jahre bestimmt hat.

Und sie freuen sich zu früh. Die derzeitigen Staatseingriffe allüberall bedeuten ja nur, dass die Regierungen aufzufangen versuchen, was in letzter Instanz sie selbst losgelassen haben. Das kann dauern. Wenn es ausgestanden ist, wird das Ergebnis nicht die Rückkehr zur staatlichen „Globalsteuerung“ der 70er-Jahre mit Gelddrucken als Wirtschaftspolitik sein. Auf längere Sicht könnte die Krise sogar bewirken, dass die Politik des billigen Geldes, also die Inkaufnahme schleichender Dauerinflation, endlich in Verruf gerät.

Vorerst allerdings wird uns nicht diese Zu­kunfts­musik in den Ohren klingen, sondern die Blechmusik der, sagen wir mal, Neoregulierer. Wie stets eher leise, aber be­harrlich wird diese Wirtschaftszeitung für Arbeitnehmer ihren Kontrapunkt setzen.

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