Ein Transplantationsexperte im Interview

Krankenkassen schicken Versicherten Organspende-Ausweise – was bedeutet das?

Frankfurt. In den kommenden Monaten verschicken die Krankenkassen 70 Millionen Organspendeausweise an ihre Versicherten. AKTIV sprach darüber mit Axel Rahmel, dem medizinischen Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Den Krankenversicherten flattert bald Post ins Haus. Warum?

Seit der Gesetzesreform vor zwei Jahren informieren die Kassen alle Versicherten ab dem 16. Lebensjahr über Organspende und wollen sie motivieren, eine Entscheidung über dieses wichtige Thema zu treffen.

Wird man damit automatisch zum Spender?

Nein. Wenn keine Entscheidung vorliegt, treffen sie die Angehörigen des Verstorbenen nach dessen mutmaßlichem Willen. Es gibt keine Entscheidungspflicht, und man kann sie jederzeit anpassen.

In den letzten Jahren ging die Bereitschaft zur Organspende zurück. Warum?

Die Zahl ist seit 2011 rückläufig, insbesondere aber nachdem bekannt wurde, dass einzelne Kliniken Daten manipulierten, um bestimmte Patienten zu bevorzugen. Dagegen wurden umfangreiche Maßnahmen eingeführt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Spender gegenüber 2014 wieder gestiegen, um 5 Prozent auf 540.

Knapp 10.500 Menschen warten auf eine Spende.

2014 haben 864 Spender 2.989 Organe gespendet. Ein Spender kann also mehreren Menschen helfen. Dennoch warten Patienten bei uns im Schnitt sieben Jahre auf eine Niere.

Wann ist eine Transplantation überhaupt sinnvoll?

Häufig ist es die einzige Möglichkeit, um zu überleben. Ein Dialysepatient kann auch ohne Niere weiterleben, seine Lebensqualität und -erwartung verbessern sich jedoch erheblich durch eine Transplantation. Außerdem sind die Kosten innerhalb von zwei Jahren ausgeglichen gegenüber einer regelmäßigen Dialysebehandlung.


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