Neue Gesundheitsreform

Krankenkassen: Für Versicherte wird es teurer

Köln. Neun Millionen Versicherte der größten Krankenkasse „Techniker“ haben sich in den vergangenen Wochen gefreut: Im Briefkasten lag erstmals ein Scheck mit einer Teil-Rückzahlung der gezahlten Beiträge: 160 Euro! Auch kleinere Kassen erstatteten Geld. Denn aufgrund der guten Konjunktur sind die Überschüsse stark angewachsen, auf insgesamt 30,3 Milliarden Euro.

Wer jetzt glaubt, die Gesundheitskosten seien damit endlich unter Kontrolle, der irrt. Der zuständige Minister Hermann Gröhe, der gerade die neueste Finanzreform präsentiert hat, sieht schon wieder eine Trendwende zum Negativen: „Auf absehbare Zeit“, sagt er, „werden die Gesundheitsausgaben die Einnahmen übersteigen.“

Zwar hat er erst mal gute Nachrichten. Der Arbeitgeber-Beitrag von 7,3 Prozent soll keinesfalls weiter erhöht werden – und der Arbeitnehmer-Beitrag sinkt zum 1. Januar 2015 um 0,9 Prozentpunkte, von 8,1 auf 7,3 Prozent. Dem stehen neue „Zusatzbeiträge“ der Kassen gegenüber, die laut Gröhe zunächst gering sind.

Doch der renommierte Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen prophezeit: „Ich gehe zwar davon aus, dass der Zusatzbeitrag im ersten Jahr bei vielen Kassen im Schnitt kleiner sein wird als 0,9 Prozent. Aber danach wird es teurer. Ich schätze, dass er schon 2016 im Schnitt bei 1,4 Prozent liegt.“

Mit wohl weiter steigender Tendenz. Von Kliniken über Kuren bis zu Krücken: „Insgesamt dürften die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in den nächsten vier Jahren schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung insgesamt“, sagt Experte Wasem. „Gründe dafür sind die Alterung der Gesellschaft, der medizinische Fortschritt und die überproportional steigenden Ausgaben für Arzthonorare und Medikamente.“

Gegen diese Dynamik gibt es nur ein Mittel: Die Kassen müssen, um den „Zusatzbeitrag“ zu vermeiden oder in Grenzen zu halten, mit den Leistungserbringern günstige Preise aushandeln – und so der Verschwendung im Gesundheitssystem entgegenwirken. Das ist seit Jahrzehnten das erklärte Ziel jeder Reform. Auch Minister Gröhe beteuert jetzt: „Der Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung wird ingesamt gestärkt.“


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