Schall, lass nach!

Krank machender Lärm: Wie uns die Bundesregierung noch besser dagegen schützen will

Berlin. Quietschen, Brummen, Klopfen – wir sind umgeben von Geräuschen, die uns im Tagesablauf begegnen. Und längst nicht alle sind angenehm, sondern einfach Lärm: Nach einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamts fühlen sich drei Viertel der Befragten von Lärm belästigt.

Zu viel Geräusch kann schädlich sein: „Lärm wirkt sich negativ auf die Kommunikation, die Erholung und die Entspannung aus“, sagt Thomas Myck, Abteilungsleiter beim Umweltbundesamt in Dessau. Und im schlimmsten Fall macht er krank. Das geht vom Gehörschaden bis zu körperlichen Stressreaktionen, die sich in Herz- und Kreislaufproblemen äußern.

Straßenverkehr stört am meisten

Am häufigsten nervt in der Wahrnehmung der Bürger Verkehrslärm – und gerade der ist oft vermeidbar. Deshalb soll der Lärmpegel an besonders belasteten Orten bis 2020 deutlich gesenkt werden: im Straßenverkehr um 30 Prozent (im Vergleich zu 2008) und im Schienenverkehr um 50 Prozent. Dafür hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag mehr Geld bereitgestellt: Im Bundeshaushalt stehen seit 2014 für Lärmsanierungen an Bundesfernstraßen 55 statt 50 Millionen Euro zur Verfügung und für Lärmsanierungen an Schienenwegen des Bundes 130 statt 100 Millionen. Hinzu kommen Mittel von Ländern und Kommunen.

„Der Markt wächst“, sagt Hartmut Basanow mit Blick auf diese Zahlen. Er ist Geschäftsführer beim Deutschen Verband für Lärmschutz an Verkehrswegen mit Sitz in Bonn. Die Mitglieder sind Hersteller von Lärmschutzbauteilen, Planungsbüros und Baufirmen.

In Wohngebieten darf die Belastung für die Anwohner tagsüber maximal 70 Dezibel betragen, bei neuen Straßen höchstens 59 Dezibel. Vorbeifahrende Autos erzeugen in der Regel 80 Dezibel und mehr, so die Deutsche Gesellschaft für Akustik in Berlin.

Eine Schallschutzwand kann Lärm um etwa 15 Dezibel senken. Das klingt nach wenig, doch: „Eine Senkung des Schalls um 10 Dezibel empfindet das Ohr schon als Halbierung“, erklärt Basanow. Solche Wände sind aus Beton, Aluminium, Holz oder aufgeschichteten Steinen. Und sie funktionieren im Prinzip noch wie in den 70er-Jahren, als die ersten aufgebaut wurden: Der Schall wird durch Hohlräume geleitet und verliert so einen Teil seiner Wirkung.

Mit einer Reihe weiterer Maßnahmen will man die Beschallung an stark befahrenen Straßen noch weiter drücken. Dazu gehören geräuscharme Autoreifen, Flüsterasphalt und die Förderung von Elektromobilen. Im Eisenbahnverkehr, für den seit Anfang dieses Jahres die gleichen gesetzlichen Toleranzwerte gelten wie für den Straßenverkehr, sollen nach einem Beschluss der Bundesregierung von 2005 bis zum Jahr 2030 rund 3.700 Kilometer an besonders belasteten Bahnstrecken aufgerüstet sein. Seitdem wurden davon mehr 40 Prozent saniert, rund 560 Kilometer Schallschutzwände wurden errichtet. Und in über 50.000 Wohnungen entlang von Bahnstrecken sind Schallschutzfenster eingebaut.

Jeder kann Lärm vermeiden

Deutlich weniger Nachholbedarf hat da die Industrie. Dank des technischen Fortschritts fühlen sich immer weniger Menschen von Gewerbelärm belästigt. „Und die Betriebe setzen verstärkt auf Schallschutz, um die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhalten“, ergänzt Sandra Mann, Kundenberaterin der süddeutschen Niederlassung der Firma Metall-Con in Hambühren (Niedersachsen). Der Anbieter von Industrie-Schallschutz freut sich über steigende Nachfrage.

Der beste Schutz indessen ist, die Entstehung zu vermeiden. Immerhin landet der Lärm vom Nachbarn auf dem zweiten Platz der Störgeräusche. Und das Umweltbundesamt empfiehlt, öfter auf das Fahrrad umzusteigen.


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Das Münchner Unternehmen Knorr-Bremse bietet Technik für weniger Lärm auf der Schiene. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bremsklötze aus organischen Stoffen wie Kautschuk oder Harz.

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