Strategie

Kraft getankt


Wie Unternehmen in der Krise stärker geworden sind

Bürgstadt/Marktoberdorf. Kolossal, was die Ziemann-Gruppe da baut. Fast 20 Meter recken sich die 14 schneeweißen Tanks in die Höhe. Auf einer Werft in Split an der kroatischen Adria-Küste werden die Behälter – jeder wiegt 120 Tonnen – in ein Schiff gehievt.

Nicht nur die Maße sind außergewöhnlich. Denn eigentlich ist Ziemann Spezialist für die Bierbranche. Am unterfränkischen Standort Bürgstadt am Main produziert das Unternehmen mit dem Hauptsitz Ludwigsburg bei Stuttgart Sudgefäße und Brauereitanks.

Die Produktpalette vergrößert

In den in Split hergestellten Riesenbehältern wird aber Orangensaft transportiert werden. Die Böden und Dächer dieser Tanks fertigten und lackierten die Mitarbeiter in Bürgstadt. Für sie kam der Start ins neue Geschäft genau zur richtigen Zeit. „So haben wir die Konjunkturkrise besser überstanden“, sagt Geschäftsführer Klaus Gehrig.

Wie Ziemann nutzten auch andere bayerische Metall- und Elektro-Betriebe den mittlerweile überwundenen Abschwung, um Kraft zu tanken und sich für den Wettbewerb zu stärken. Die Produktpalette zu vergrößern und so neue Kunden zu gewinnen, ist nur eine der zahlreichen Strategien.

Manche Betriebe haben ihre Forschung und Entwicklung in der Schwächephase verstärkt und weiter kräftig investiert. Andere überbrückten die Zeit der Kurzarbeit mit Weiterbildung ihrer Beschäftigten. Jetzt, im Aufschwung, profitieren die Unternehmen von den Fitness-Programmen.

Das Zauberwort für Ziemann heißt „Diversifikation“: Tanks jetzt auch für Safthersteller. Auf das Projekt in Kroatien folgte bereits ein zweiter Auftrag. „Die Idee dazu hatten wir schon länger“, erzählt Geschäftsführer Gehrig. „Trotz der Krise haben wir sie dann umgesetzt.“ Krise hin oder her – der Traktor-Hersteller Fendt in Marktoberdorf im Allgäu steigerte seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung Jahr für Jahr. 2010 waren es rund 47 Millionen Euro, 6 Millionen mehr als 2009. Im Jahr 2008 betrug das Budget 36 Millionen Euro.

Den Marktanteil ausgebaut

Das Geld fließt vor allem in neue Modelle mit neuer Motorentechnik – auch weil sich die Abgas-Vorschriften für Landmaschinen verschärft haben. Und Fendt hat seine Angebotspalette erweitert: In diesem Jahr kommt der erste Feldhäcksler auf den Markt.

Mit innovativen Produkten in den Wettbewerb zu ziehen, zahlt sich für das Unternehmen aus. Im Kerngebiet West- und Zentraleuropa hat Fendt mit seinen Traktoren den Marktanteil in den vergangenen zwei Jahren ausgebaut. Jetzt liegt er bei mehr als 8 Prozent. 2008, vor der Krise, waren es 6,8 Prozent.

Der Markt ist nach dem Boomjahr 2008 kräftig geschrumpft – 2010 um geschätzte 15 Prozent. Aber Fendt hat sich mit einem Absatzrückgang von 8 Prozent auf 12.500 Schlepper besser geschlagen als die Konkurrenz.

„Wir kommen im Markt Schritt für Schritt voran“, stellt Peter-Josef Paffen fest, der Sprecher der Geschäftsführung von Fendt. Auf lange Sicht hat sich das Unternehmen einen Anteil von 10 Prozent vorgenommen.

Angesteuert wird dieses Ziel auch mit einem Ausbau und einer Modernisierung der Produktion an den Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth. Das lässt sich das Unternehmen, das zum amerikanischen Agco-Konzern gehört, bis 2012 insgesamt 170 Millionen Euro kosten. „Dann werden wir das effizienteste und beste Traktorenwerk der Welt haben“, sagt Paffen. „Das sichert auf Dauer die beiden Standorte, Arbeitsplätze und unsere Zukunft.“

Der Autozulieferer Bosch hat die mehr als 2.000 Arbeitsplätze in seinem mittelfränkischen Werk in Ansbach auch in der Krise gesichert. Und das Beste aus der für die Branche schwierigen Situation gemacht. 29 Beschäftigte haben während der Kurzarbeit das Angebot für eine sogenannte Teilqualifizierung genutzt. 24 von ihnen war das nicht genug: Sie machen jetzt einen Abschluss als Industrie-Mechaniker.

Mehr Möglichkeiten für Mitarbeiter

So werden aus gering qualifizierten Mitarbeitern und solchen, die Handwerksberufe gelernt haben, Facharbeiter. „Für sie gibt es jetzt viel mehr Einsatzmöglichkeiten als vorher in unserem Werk“, berichtet Wolfram Anders, der kaufmännische Direktor in Ansbach. „Damit ist unsere Mannschaft stärker als vor der Krise.“

Joachim Herr

Info: Konjunkturumfrage in Bayerns M+E-Industrie

Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie ist mit Optimismus ins neue Jahr gestartet. Das hat die Winterumfrage der Arbeitgeberverbände bayme und vbm ergeben.

Für die erste Hälfte 2011 erwartet jedes zweite Unternehmen, dass sich das Geschäft in Deutschland verbessert. Den Export beurteilen sogar 54 Prozent mit Zuversicht.

Pläne, die Produktion auszuweiten, hat etwas mehr als die Hälfte der Betriebe. Nur knapp 8 Prozent müssen kürzen. Ähnlich sieht es für die Investitionen aus: Fast 45 Prozent erhöhen die Ausgaben dafür, lediglich 7 Prozent wollen sie verringern.

Gute Nachrichten gibt es auch für den Arbeitsmarkt: 43 Prozent der Unternehmen haben vor, neue Stellen zu schaffen. Und nur 7 Prozent befürchten, Arbeitsplätze streichen zu müssen.

Die Verbände rechnen damit, dass die Zahl der Beschäftigten in Bayerns M+E-Industrie bis Ende dieses Jahres um gut 20.000 auf knapp 745.000 steigt.

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