Kostendruck

Kopfzerbrechen wegen Kupfer & Co.


Die Preise vieler Rohstoffe sind stark gestiegen – eine große Herausforderung für die Betriebe

Uwe Janke muss auf Überraschungen gefasst sein. Er leitet den Bereich Einkauf bei Schweizer Electronic, einem der führenden Leiterplatten-Hersteller in Europa. Kein leichter Job: Die Rohstoff-Preise steigen!

Die Firma in Schramberg im Schwarzwald (750 Mitarbeiter) braucht beispielsweise Kupfer, Gold und Aluminium.

Kupfer kostete Ende Dezember 39 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Es ist schwierig, das auszugleichen“, sagt Janke und verdeutlicht: „2010 haben wir 212 Tonnen Kupfer-Anoden beschafft.“ Das fällt ins Gewicht – die Materialkosten machen hier 40 Prozent aller Aufwendungen aus.

Fast die ganze Industrie ist besorgt

Die Materialpreise waren in der Krise abgesackt, doch inzwischen geht es rasant aufwärts. Im Dezember lag der Rohstoffindex des renommierten HWWI-Instituts in Hamburg auf einem Allzeithoch – 41 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn. Walzstahl hat sich zuletzt in nur einem Jahr um 22 Prozent verteuert, Aluminium um 18 Prozent und Nickel um 39 Prozent. Die Seltenen Erden, wichtig unter anderem für Handys und Fernseher, kosten im Schnitt 171 Prozent mehr.

Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern haben 91 Prozent der Industriebetriebe Probleme mit den Preisen. Sie steuern nach Kräften gegen – um stabil zu bleiben und ihre Arbeitsplätze zu sichern.

Fast 40 Prozent suchen Alternativen für bestimmte Materialien. Wie Siemens: „Wir arbeiten an Ersatzlösungen“, sagt Sprecherin Monika Brücklmeier. So setzt das Unternehmen auf Laserschweißen statt auf Löten: Dafür braucht man kein Zinn und kein Silber.

Viele Firmen schließen mit ihren Rohstoff-Lieferanten langfristige Verträge. Wie Kabel-Hersteller Leoni, der aus rund 90 Werken im In- und Ausland viele Branchen beliefert, allen voran die Auto-Industrie. Richard Paglia leitet den Strategischen Einkauf im Bereich „Wire and Cable Solutions“. Er sagt: „Einige Rohstoffe sind knapp, etwa Weichmacher.“ Die braucht Leoni zur Fertigung von PVC für die Kabel-Ummantelung. Paglia: „Unternehmen, die keine langfristigen Lieferbeziehungen eingegangen sind, haben bereits Versorgungsschwierigkeiten.“

Die Kosten der Metalle kann Leoni zwar an die Kunden weitergeben, aber etwa bei Kunststoff ist das nur mit Verzögerung möglich, denn das Unternehmen muss seine Verträge erfüllen.

Ruf nach einer europäischen Strategie

Aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung auch beim Aluminium-Konzern Hydro, etwa im Walzwerk Hamburg. Die Preissprünge betreffen unter anderem Legierungsmetalle, Lacke und Packmittel, berichtet Firmensprecher Michael Peter Steffen. Auch hier gibt es ein Knappheitsproblem. „Aber weil Hydro für seine Walzwerke wesentliche Materialien zentral einkauft und ein gutes Risikomanagement pflegt, behalten wir die Lage unter Kontrolle und können voll weiter produzieren.“

Gleich doppelt sehen sich, über den allgemeinen Trend hinaus, die Hersteller und Verarbeiter von Stahl bedrängt: Erst trieb die Flut in Australien die Preise, weil sie auch Kohlezechen betraf, dann kündigte Indien einen Exportstopp für Eisenerz an. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp ruft nach der Politik: Er will eine gesamteuropäische Rohstoffstrategie.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang