Es läuft relativ rund

Konjunktur-Umfrage: Die Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen nimmt Fahrt auf

Zusätzliche Produktion bauen die Metall- und Elektro-Firmen hierzulande kaum auf. Vorwiegend ersetzen oder modernisieren sie Maschinen, wie die Konjunkturumfrage ergab. Bei Aufträgen und Produktion erwartet man per saldo ein Plus.

Immerhin: Bei der Zahl der Arbeitsplätze ist der Ausblick stabil. Foto: dpa

Immerhin: Bei der Zahl der Arbeitsplätze ist der Ausblick stabil. Foto: dpa

Sorgt sich um die Investitionen: Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands. Foto: Albertin

Sorgt sich um die Investitionen: Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands. Foto: Albertin

Hannover. Volker Schmidt beginnt mit der guten Nachricht: „Unsere Betriebe nehmen wieder Fahrt auf. Der negative Trend bei den Investitionen der Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen hat sich erstmals seit 2013 nicht weiter verschärft“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall bei der Vorstellung der Frühjahrsumfrage zur Konjunktur.

Immerhin: 30 Prozent der M+E-Unternehmen wollen dieses Jahr mehr, aber „nur“ 24 Prozent weniger investieren als noch 2016. Auch bei Auftragseingang und Produktion erwartet man per saldo ein Plus, bei den Arbeitsplätzen ist der Ausblick stabil.

Im Haus der Industrie in Hannover sind zwölf Verbände zu Hause. 900 Unternehmen wurden angeschrieben. 650 Betriebe mit 205.000 Beschäftigten haben geantwortet und ihr Stimmungsbild für das Jahr 2017 abgegeben.

Kaum Aufbau zusätzlicher Produktion

Euphorie leitet Schmidt aus den Antworten nicht ab. Das Wachstum in Deutschland und in Niedersachsen, so führt der Hauptgeschäftsführer aus, werde weiterhin vornehmlich vom privaten und staatlichen Konsum getragen. Hinzu kommt: Strukturelle Verschiebungen überlagern die erfreulichen konjunkturellen Entwicklungen.

Von jenen Betrieben, die bereits im Ausland Produktionsstätten unterhalten, wollen laut Umfrage 70 Prozent ausschließlich dort weitere Kapazitäten aufbauen. In Niedersachsen werden im Wesentlichen bloß die bestehenden Maschinen und Anlagen ersetzt und modernisiert. Schmidt wörtlich: Wenn niedersächsische Unternehmen die „ausländischen Märkte insbesondere in der Automobil-Industrie“ beliefern, erfolge das „nur noch zum Teil vom Standort Niedersachsen aus“.

Der NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer fordert einen Investitionsruck auf breiter Front, der steuerpolitisch unterstützt wird. Das hat die niedersächsische Landesregierung erkannt. Sie setzt sich für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für den Mittelstand ein (siehe dazu auch Bericht auf Seite 11).

Um den Standort D zu sichern, müsse man Forschung und Entwicklung (FuE) stärken, erklärte Schmidt. „Und insbesondere die mittelständische Industrie stärker in die Lage versetzen, gut bezahlte Fachkräfte zu gewinnen und auch in die Fläche zu bekommen. Deswegen ist die FuE-Initiative so wichtig.“

Der ländliche Raum drohe bei den Themen Digitalisierung und Fachkräftesicherung den Anschluss zu verlieren: „Wir müssen achtgeben, dass es keine weitere Spaltung zwischen Ballungsraum und Fläche in Niedersachsen gibt.“ Vier von fünf Industriebetrieben im ländlichen Raum – und in Ballungsgebieten jeder zweite –hätten mittlerweile extreme Probleme, freie Stellen mit Fachkräften zu besetzen.

„Trump hebt den Begriff Voodoo-Ökonomie auf ein neues Level“

Auf die ersten Wochen der Trump-Regierung reagieren die meisten Betriebe gelassen. „Präsident Trump hebt den Begriff Voodoo-Ökonomie auf ein neues Level“, so Schmidt. „Das Tohuwabohu, das er veranstaltet, ist zwar alles andere als geeignet, um Investitions- und Planungssicherheit zu geben. Wir stellen dennoch erfreut fest, dass unsere Industrie gelassen bleibt. Niemand verfällt in Panik.“


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