Maschinen kommen in die Jahre

Konjunktur: Niedersachsens Metall- und Elektro-Industrie blickt skeptisch auf 2017

In den letzten 25 Jahren hat sich die deutsche Wirtschaftsleistung verdoppelt. Doch die Investitionen in die Maschinen blieben fast unverändert. Droht der Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen ein schleichender Abbau?

Sie läuft noch: Nicht in der Metall- und Elektro-Industrie, sondern im Museum steht diese alte Schleifmaschine. Foto: Mauritius

Sie läuft noch: Nicht in der Metall- und Elektro-Industrie, sondern im Museum steht diese alte Schleifmaschine. Foto: Mauritius

Hannover. Es sind gemischte Gefühle, mit denen die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ins kommende Jahr schaut. Die Unsicherheit, wie sich die Konjunktur entwickeln wird, bestimmt den Blick auf 2017.

Das hat eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall ergeben. Dafür wurden alle Mitgliedsbetriebe um ihre Einschätzung gebeten. Ein Ergebnis: Nur 20 Prozent, also jeder fünfte Metall- und Elektro-Betrieb, gehen auch für die nächsten zwölf Monate von mehr Aufträgen aus.

Ein schleichender Abbau der Industrie zeichnet sich ab

Als größtes Problem sieht der Verband in Deutschland die schwache Nachfrage nach neuen Produktionsanlagen. Zwar wollen 20 Prozent der Unternehmen im kommenden Jahr investieren. Aber ebenso viele wollen ihre Investitionen zurückfahren.

Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt erläutert: „Die Investitionen am Standort Deutschland treten auf der Stelle. Lieber werden im Ausland neue Anlagen angeschafft. Genauso ist die Situation bei mittelständischen Industriebetrieben. Ein Beispiel belegt dies: Zwischen 1991 und 2016 hat sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland verdoppelt, also die Menge aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr hergestellt wird. Gleichzeitig ist die Summe, die in die Ausrüstung gesteckt wurde, nahezu unverändert geblieben.“

Das bedeutet für Niedersachsen einen schleichenden Abbau der Industrie: „Wir haben vielleicht heute noch kein sichtbares Problem, aber am Horizont zeichnet sich eine spürbare Überalterung unserer Maschinen und Anlagen ab. Über Jahre hinweg wurde in Niedersachsen einfach zu wenig investiert.“

Laut Schmidt müsste vor allem durch die Digitalisierung bereits heute mehr in die Modernisierung der Maschinen fließen. Das sei aber nicht feststellbar: „Wenn für die Industrie 4.0 das Geld für neue Anlagen ausbleibt, sind ganze Branchen bedroht, abgehängt zu werden. Immerhin geht es hier um die bedeutsamste industrielle Entwicklung der letzten Jahrzehnte.“ Dieser Trend gelte besonders für Mittelständler mit 50 Mitarbeitern und mehr. Sie machen 99 Prozent der Unternehmen aus und stellen 70 Prozent der Arbeitsplätze.

Auch mit neuen Jobs ist in Niedersachsens Metall- und Elektro-Industrie kaum zu rechnen. Das hat konjunkturelle Gründe, weil eben nur wenige investieren. Das liegt aber auch an der Unsicherheit, welchen Weg die Weltwirtschaft nehmen wird.

Ein weiterer Grund: Gerade kleine und mittlere Betriebe berichten fast flächendeckend von enormen Problemen, genug qualifizierte Fachkräfte zu finden. Die Firmen halten sich auch hier die Waage: 17 Prozent wollen Mitarbeiter einstellen, 19 Prozent wollen Stellen abbauen. Zu spüren bekommen das die Firmen auch bei der Suche nach Azubis.

Auszubildende dringend gesucht

So verweist Hauptgeschäftsführer Schmidt allein in Niedersachsen auf 3.200 unbesetzte Ausbildungsstellen: „Der demografische Wandel und der ungebrochene Trend zu Abitur und Studium verhageln den Unternehmen die Aussicht auf baldige Besserung.“

Er fordert: „Die duale Ausbildung, um deren Qualität die Welt uns beneidet, muss auch in den Köpfen der Jugendlichen ankommen. Sie muss wieder eine echte Alternative zum Studium werden.“ Da seien Wirtschaft und Politik gefordert, so Schmidt: „Das beginnt bei einer besseren Ausstattung der Berufsschulen und geht weiter zu verstärkter Werbung für die klassischen Ausbildungsgänge.“


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