Tarifrunde 2008

Konjunktur: Der Glanz lässt nach


Gedämpfte Erwartungen vor Start der Verhandlungen

Bald wird es ernst in der Tarifrunde der Chemie. Ende Februar starten die Verhandlungen in Hessen. Die anderen Tarifbezirke folgen Schlag  auf  Schlag.

Eine „knackige Tarifrunde“ hat IG BCE-Tarifexperte Werner Bischoff angekündigt. 6,5 bis 7 Prozent mehr Entgelt fordert die Gewerkschaft für die 550.000 Beschäftigten in den rund 1.900 Betrieben.

Doch ist das wirklich drin? Wie steht es um die Konjunktur? Was gibt sie her? Das ist auch bei den Verhandlungsrunden in den Tarifbezirken die Kernfrage für die Experten beider Seiten, weiß Hans-Günter Glass, Chefökonom beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) in Wiesbaden.

Konjunktur gibt den Spielraum vor

Denn von der Einschätzung der Konjunktur und der Branchenlage hängt ab, wie viel Spielraum es für den Abschluss gibt. Glass: „Der Tarif-Abschluss wird für morgen gemacht, nicht für gestern.“

Schauen wir uns die Prognosen an: Für die deutsche Wirtschaft sind sie durchwachsen. „Dem Aufschwung geht die Luft aus“, unkte kürzlich eine große deutsche Tageszeitung. So negativ muss man das nicht sehen. Doch fest steht: Die Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft schmelzen ab.

Sagte die Gemeinschaftsprognose der führenden Institute im Oktober für 2008 noch 2,2 Prozent Wachstum voraus, rechnete die Bundesregierung jetzt lediglich mit 1,7 Prozent Zuwachs. Und das gewerkschaftsnahe IMK-Institut erwartet nur 1,5 Prozent Plus.

So weit die Vorhersagen für die Wirtschaft insgesamt. Und wie sieht es für die Chemie aus?

Chemie-Produktion wächst weniger

Auch für die Branchenkonjunktur sieht die Vorhersage nach dem guten Jahr 2007 magerer aus. Erhöhte sich die Produktion im vergangenen Jahr noch um 4,5 Prozent, so soll sie nun nur noch um 2,5 Prozent zulegen. So prognostiziert es der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Die Gewerkschaft beeindruckt das wenig. Für sie ist das lediglich das „rituelle Wehklagen der Arbeitgeber“. Zu Jahresbeginn sehe es „angeblich“ immer ganz schlecht aus; kaum sei der Tarifabschluss da, helle sich die Lage „wundersam“ auf, argumentiert sie.

Das spielt auf die Tarifrunde 2007 an. Kurz nach dem Abschluss verbesserte sich die Lage. Haben die Experten damals schwarzgemalt? Da widerspricht der VCI: Die Vorhersagen der Wirtschaftsforscher, die Erwartungen in den Chefetagen und die Produktionszahlen sprachen Anfang 2007 tatsächlich für ein schrumpfendes Wachstum. Doch dann legte vor allem die Pharma-Produktion zu, und der Verband hob die Prognose für die Branche an.

Entwicklung in den USA macht Sorgen

Zurück in die Gegenwart: Der VCI steht mit seiner Prognose nicht allein. Auch die Konjunkturforscher vom DIW in Berlin erwarten für die Chemie 2008 nur 2,5 Prozent Plus (bei insgesamt 2,1 Prozent Wirtschaftswachstum). Der Chemie droht damit noch keine Rezession. Doch das Wachstum lässt nach.

Was aber bisher nicht einkalkuliert ist, das ist die drohende Rezession in den USA. Die könnte sich auch auf Europa auswirken.

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Schlagwörter: Konjunktur Chemie

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