Innovation

Kolossaler Umbruch


Hier tut sich was: Innovationsschub bei den Herstellern von Baumaschinen

München. Schlag auf Schlag weiter ins Erdinnere: Zentimeterweise arbeitet sich der Kurzheck-Bagger durch die enge und staubige Umgebung im Tunnel. Das Gerät von Liebherr mit seiner Steuerung aus dem Werk Lindau ist auf alle Widrigkeiten eingestellt: Je nach Gestein wird es mit einem Abbau-Löffel, einem 1,7-Tonnen-Hammer oder einer Fräse bestückt.

So schwierig wie der Einsatz vor Ort war zuletzt auch das konjunkturelle Umfeld für Baumaschinen. Der Umsatz deutscher Hersteller fiel 2009 im Zuge der allgemeinen Krise um 43 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Jetzt will die Branche, die in Bayern stark präsent ist, zeigen, was sie 2010 drauf hat: auf der weltgrößten Fachmesse „Bauma“ in München (19. bis 25. April).

Ein Viertel weniger Kraftstoff-Verbrauch

Die Schau der Technik-Giganten ist seit einem Jahr ausgebucht. Sie erwartet weit über 3.000 Aussteller – ein neuer Rekord. Das Mega-Thema  lautet: Sparsamkeit!

„Weniger Kraftstoff-Verbrauch und weniger Emission des Klimagases CO2 ist für uns Entwickler das Hauptthema der nächsten fünf Jahre“, sagt etwa Franz Meixner, Projektleiter der Hamm AG. Das Unternehmen aus Tirschenreuth in der Oberpfalz ist Weltmarktführer für 9 bis 14 Tonnen schwere Walzen.

Ein weiteres Beispiel: Ein neues stufenloses Getriebe von ZF benötigt bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff als heute. „Diese weiterentwickelte Technologie aus Landmaschinen ist für uns die nächste Innovationsstufe“, erklärt Hermann Beck, Leiter des Geschäftsfelds Baumaschinensysteme von ZF Passau.

Für die Komplett-Aufrüstung zum Hybridfahrzeug sei aber auch eine geeignete Batterie von großer Bedeutung. Die Möglichkeit, vom Antrieb zurückgewonnene Energie zu speichern, sei entscheidend: „Das bestimmt, wann die Elektrifizierung auf breiter Front kommt.“ Dennoch sei der Weg vielversprechend und ZF erwartet in nächster Zeit auch erste konkrete Kundenprojekte.

Für Handlungsdruck sorgt nicht nur der Markt, sondern auch der Gesetzgeber: Zusätzliche elektrische Energie zum Abdecken von Leistungsspitzen ermöglicht kleinere Motoren, die weniger Abgase ausstoßen. Wichtig, denn bereits ab Januar des kommenden Jahres gelten sowohl in Europa als auch in Nordamerika für Baumaschinen verschärfte Abgas-Grenzwerte. So sinkt die Obergrenze für den Rußpartikel-Ausstoß gleich um 94 Prozent, was den Einbau zusätzlicher Filter am Motor erforderlich macht.

Weniger Wartung, geringere Kosten

Für 2015 steht eine weitere gravierende Senkung der zulässigen Stickoxid-Werte an. Das haben die Ingenieure schon heute zu berücksichtigen. Projektleiter Meixner von der Firma Hamm: „Wir versuchen natürlich, schon fünf Jahre vorauszudenken, um dann nicht ganze Baureihen ändern zu müssen.“

Die Stickoxid-Reduktion ist aufwendig: Es muss ein zusätzlicher Tank für Harnstoff-Lösung eingebaut werden, die eingespritzt wird. Dadurch werden Stickoxide im Abgas in unschädlichen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt.

Für die Baumaschinen-Produktion sind mittlerweile zahlreiche Konzepte aus der Pkw-Branche aufgegriffen worden, die den Bedien- und Fahrkomfort erhöhen – etwa die Start-Stopp-Automatik oder das Anti-Blockier-System.

Auch eine Art Tempomat gibt es, etwa für Tandem-Walzen: Mit ihm ist die ideale Geschwindigkeit einfach einzustellen. Das erleichtert dem Fahrer die Arbeit und verbessert so auch die Qualität des Straßenbelags.

Ein weiterer Trend: Die Hersteller von Baumaschinen versprechen im Vergleich zu früher weniger Wartungsaufwand und geringere Betriebskosten. Zum Beispiel die Tadano-Faun GmbH aus dem mittelfränkischen Ort Lauf. Zur diesjährigen Bauma-Messe präsentiert sie ihren bislang größten Aufbaukran für Lkws: mit einem 44 Meter langen Ausleger.

Der Vorteil: Dieser Kran kann auf das Fahrgestell eines normalen Lkws aufgebaut werden. „Dadurch ist das Zulassungsverfahren einfacher“, erklärt Geschäftsführer Rolf Sonntag. „Und der Kran kann schnell die Einsatzorte wechseln.“

Flexibilität, Sparsamkeit, Innovation: Die Branche steckt im Umbruch – und sie packt an.

Eva Schröder

Info: Gebeutelte Branche

„2009 war das schwierigste Jahr, das es je gab“, sagt Christof Kemmann, Chef des Fachverbands Bau- und Baustoffmaschinen im Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA).

Er beklagt einen Umsatz-Rückgang um 43 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang der Baumaschinen-Hersteller ist sogar um die Hälfte geschrumpft.

Für 2010 erwartet Kemmann ein kleines Umsatzplus von 5 Prozent. Hoffnungen ruhen auf China, Indien, aber auch Südamerika und Nordafrika.

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