Steuersenkung

Könnt Ihr zaubern?


Mehr Netto vom Brutto – warum das trotz Schulden machbar ist

Berlin. Es klingt zu schön: Ein Industrie-Arbeiter mit zwei Kindern zahlt keinen Cent Steuern! Das ist das Ziel des FDP­Wahlsiegers Guido Westerwelle. Bisher löhnt er 4.080 Euro Einkommensteuer im Jahr, der Alleinverdiener mit 40.000 Euro brutto und einer vierköpfigen Familie. Auch CDU-Kanzlerin Angela Merkel hat für 2011 Steuersenkungen versprochen.

Wie soll das gehen? Unser Staat hat schon 1.600 Milliarden Euro Miese angehäuft, jede Sekunde kommen 4.400 Euro hinzu. „Die Verschuldung ist die allergrößte Herausforderung“, sagt Professor Thomas Straubhaar, Chef des Hamburger Forschungsinstituts HWWI.

Doch er setzt hinzu: „Die größte Chance, die Staatsverschuldung zu reduzieren, hat ein Programm der Entlastung von Unternehmen und Einkommen.“ Niedrigere Steuersätze und trotzdem nicht weniger Geld in der Kasse: Das Zauberkunststück hat schon funktioniert. So senkte US-Präsident Ronald Reagan 1986 die Einkommensteuer des Bundes von bis zu 52 auf bis zu 26 Prozent – die Wirtschaft wuchs kräftig, der Einbruch der Staatseinnahmen blieb aus. Reagan ging trotzdem als Schulden-Präsident in die Geschichte ein – aber wegen seiner Rüstungsprogramme.

Schon ab Januar mehr Geld

Umgekehrt rutschen die Japaner seit zwei Jahrzehnten mit der Devise „Bloß keine Steuer-Experimente“ immer tiefer in die Misere: Die Schuldenlast ist dreimal so hoch wie bei uns. So warnt der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Professor Hans-Werner Sinn: Jetzt auf die Schulden zu starren, „wäre ein großer Fehler. Diese Krise ist noch nicht überwunden!“

Schon Schwarz-Rot brachte daher eine weitere Steuerentlastung ab Januar 2010 auf den Weg: Der Familienvater mit seinen 40.000 Euro brutto zahlt dann pro Jahr 354 Euro weniger Einkommensteuer, hat der Bund der Steuerzahler für AKTIV errechnet. Dafür sorgen etwas niedrigere Sätze und stärkere Begünstigung von Vorsorgebeiträgen.

Der große Wurf braucht wohl Zeit. Aber vielleicht kommt am Ende mehr Geld aus dem Hut, als viele denken. Am 3. und 4. November tagt der „Arbeitskreis Steuerschätzung“. Die Botschaft wird lauten: Die letzte Schätzung im Mai (siehe Grafik) beruhte auf einer zu pessimistischen Konjunkturprognose.

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