Wettbewerb

Knusper, knusper, knausern …


Wie Discounter den Bäckern das Geschäft versemmeln

Es ist nur ein Nadelstich. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat Aldi Süd vor das Duisburger Landgericht gezerrt und einen skurrilen Streit um die Herstellung von Backwaren entfacht. Den Kampf um Kunden wird er nicht entscheiden. Aber auch Bäcker haben ihren Stolz.

Der Discounter steckt vorgefertigte Teiglinge kurzzeitig in einen Ofen und verkauft sie danach als „gebacken“. Von einem Backvorgang könne jedoch keine Rede sein, klagen die Bäcker. Und pochen auf eine andere Bezeichnung.

Das Bäckerhandwerk gegen Aldi, Lidl & Co. – David gegen Goliath: Im Gerichtssaal ist noch alles offen, aber der Wettbewerb in den Verkaufsräumen ist längst entschieden.

Jeden Tag macht eine Backstube dicht

Vor 30 Jahren haben alle kleinen Bäcker mit weniger als umgerechnet 500.000 Euro Jahresumsatz noch 75 Prozent aller Backwaren verkauft. Heute sind es gerade mal 13 Prozent. „Die Konkurrenz durch die Supermärkte ist erheblich größer geworden“, erläutert Peter Becker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

Viele Backstuben können nur überleben, weil ihre Inhaber immer länger und härter arbeiten. Doch spätestens wenn die Betriebsnachfolge ansteht, schüttelt der Nachwuchs oft den Kopf – und sucht sich einen geregelten 40-Stunden-Job.

„Die jungen Leute heute wollen sich die Arbeit der Väter einfach nicht mehr antun“, erklärt Verbandschef Becker. So gab es vor 50 Jahren noch 55.000 Betriebe. Heute sind es nur noch 15.000.

Und der Tiefpunkt ist immer noch nicht erreicht: Im Schnitt geht jeden Tag ein weiterer Ofen für immer aus.

Das veränderte Kaufverhalten macht den Bäckern von nebenan zu schaffen. Auf dem Heimweg von der Arbeit wollen immer weniger Verbraucher noch einen Extra-Stopp bei ihnen einlegen. Die meisten setzen auf „One-stop-shopping“ und kaufen alles im Supermarkt. Doch Zeit ist nicht alles.

„Der Preis spielt eine große Rolle“, sagt Helmut Martell, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Großbäckereien. Discounter, beliefert von den großen Brotfabriken, können das einfache Weizen-Brötchen für 15 Cent anbieten.

Der Bäcker um die Ecke nimmt in der Regel das Doppelte. Und wenn dann die Kunden bei ihren Semmeln knausern, hat er keine Chance. Produktion in großen Mengen und mit großen Maschinen ist deutlich günstiger als das Herstellen kleiner Stückzahlen.

Die Kleinen müssen Besonderes bieten

„Wir verkaufen Rohstoffkosten, der Handwerksbetrieb Personalkosten“, erklärt Martell knapp die Geschäftsgrundlage der Backindustrie. Ihr Prinzip lautet „günstig“ – und stößt aber gerade deshalb bei manchen Kunden auf Vorbehalte, die an der Qualität  aus der Brotfabrik zweifeln.

Berichte über importierte Teiglinge aus Osteuropa oder gar China verstärken das Gefühl. „Solche falschen Informationen werden immer wieder gestreut“, ärgert sich Martell. „Betriebswirtschaftlich gibt es gar keinen Grund dafür, sich aus so großen Entfernungen beliefern zu lassen.“ Moderne Großbäckereien arbeiten automatisiert. Hohe Personalkosten sprächen somit nicht gegen den heimischen Standort.

Auch Kleinbäcker-Vertreter Becker hält den Teigling-Import aus fernen Ländern für eine Legende. Er räumt ein, dass die Großbäckereien akzeptables Brot zu den günstigeren Preisen anbieten können. Trotzdem sieht er  auch Chancen für die kleinen Betriebe.

„Spitze oder billig – so lautet der allgemeine Trend“, sagt Becker. „Bäckereien müssen einen besonderen, individuellen Geschmack bieten – und exklusive Qualität.“

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