Energie

Klima-Technologie droht das Aus


Pilotanlage in Brandenburg: Seit 2008 testet Vattenfall die CCS-Technologie. Die Anlage zeigt: Über 90 Prozent des CO2 können abgeschieden werden. Foto: mecom

Kraftwerksbetreiber haben bereits Milliarden in CCS-Anlage investiert

Berlin. Der Energiekonzern Vattenfall hat alles vorbereitet: In Jänschwalde nördlich von Cottbus soll ein klimafreundliches Demo-Kraftwerk entstehen und ab 2015 sauberen Strom produzieren. Kohlendioxid soll zukünftig aus Vattenfalls Kohlekraftwerken abgeschieden und in Gesteinschichten verpresst werden. Mögliche Lagerstätten sind längst ausgemacht.

Am 23. September berät der Bundesrat über das Gesetz, das die Erprobung der Technologie CCS (Carbon Capture Storage) in Deutschland erlauben soll. Die Chancen für den Beschluss stehen nach jahrelangem Hin und Her gut. Dennoch steuert CCS in Deutschland in eine Sackgasse. Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe Mining warnt: „Der deutschen Technologieführerschaft droht das Aus!“

Bundesländer sagen Nein

Der Grund: Das CCS-Gesetz könnte trotz Beschluss folgenlos bleiben. Eine Länderklausel ermöglicht es den Bundesländern, den CO2-Transport und die Speicherung auf ihren Gebieten zu verbieten.

Ein Nein aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen gilt als sicher. Zu groß ist der Protest aus der Bevölkerung. Ausgerechnet dort, wo Experten die größten Potenziale für die CO2-Speicherung sehen. Der Energiekonzern RWE will seine CCS-Projekte deshalb in den USA weiter verfolgen.

Im Wesentlichen bleibt deshalb nur Brandenburg als möglicher CO2-Lagerungsort. Doch auch dort kann das Vorhaben kippen – trotz der Investitionen von Vattenfall. Seit elf Jahren bereitet sich das Unternehmen auf den Einsatz von CCS vor, um seine dortigen Kohlekraftwerke langfristig umweltfreundlich betreiben zu können. Die versorgen auch Berlin mit Strom.

Mehr als 200 Millionen Euro hat der Konzern schon ausgegeben. In Spremberg entstand zum Beispiel die weltweit erste Pilotanlage zur Entwicklung der Kohlendioxid-Abscheidetechnologie.

Die Regierung in Potsdam unterstützt Vattenfall, konnte die Länderklausel aber nicht verhindern. Auch ihr bleibt wohl nur ein Nein zu CCS. Ein Alleingang wäre den Bürgern kaum zu vermitteln, heißt es.

Desaster für heimische Betriebe

Das Energie-Unternehmen appelliert, das CCS-Gesetz zu überarbeiten. Mit Blick auf das geplante Demo-Kraftwerk in Jänschwalde stehen schließlich Milliarden-Investitionen auf dem Spiel. Wird nicht gebaut, wäre das auch für die gesamte Region ein Desaster: Ein Gros der Bauaufträge sollte an einheimische Firmen gehen.

 

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