Bildung

Kita macht schlau


Hier ist was los: Alltag in einem Betriebskindergarten in Sachsen-Anhalt. Foto: dpa

Langzeit-Studie belegt die Vorteile für Kinder

 

 

Berlin/Oslo. Ist das zynisches Wirtschaftsdenken? „Wir sind sehr daran interessiert, dass qualifizierte Frauen nach der Familienphase wieder eine Beschäftigung aufnehmen“, sagt Dieter Hundt, Chef des Arbeitgeber-Dachverbands BDA. Und je später sie das tun, „desto schwerer ist der Wiedereinstieg“. Aber ist es gut für Kleinkinder, wenn sie den Großteil des Tages außer Haus sind und einen durchgetakteten Tag haben?

 

 

 

575.000 Lebensläufe untersucht

 

 

 

Wie sich der Kita-Alltag auf das spätere Leben auswirkt, haben norwegische Wissenschaftler erstmals umfassend beleuchtet. Tarjei Havnes und Magne Mogstad werteten die Daten von 575.000 Landsleuten aus – und sehen die Kita gegenüber dem Zu-Hause-bleiben im Vorteil: „Sie hat starken positiven Einfluss auf die Bildungsabschlüsse der Kinder und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und sie verringert die Abhängigkeit vom Sozialstaat.“

 

 

 

In Norwegen wurde ab 1976 massiv die Ganztagsbetreuung ab dem dritten Geburtstag ausgebaut – mit dem Ziel, beiden Elternteilen die Berufstätigkeit zu erleichtern. Die Studie vergleicht die Jahrgänge 1973 bis 1976 mit jenen, die noch nicht von dem wachsenden Betreuungsangebot profitieren konnten. Dabei fanden sie heraus:

 

 

 

● Die Kita macht schlau. „Jeder Kita-Platz führte dazu, dass ein Kind später im Schnitt 0,35 Jahre länger zur Schule ging“, bilanzieren die Forscher. Der Anteil der Schulabbrecher liegt bei den ehemaligen Kita-Besuchern um 6 Prozentpunkte niedriger, der Anteil der Studenten dagegen um 7 Prozentpunkte höher.

 

 

 

● Die Kita macht reicher. Wer dort als Kleinkind betreut wurde, verdient mit Anfang 30 im Durchschnitt deutlich mehr Geld. „Am stärksten profitieren Kinder aus benachteiligten Familien“, heißt es in der Studie.

 

 

 

● Die Kita macht stark. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Lauf des Lebens auf Sozialhilfe angewiesen ist, ist bei Kita-Absolventen ein Drittel niedriger. „Das ist ein sehr großer Effekt“, urteilen die Forscher.

 

 

 

In der Tendenz dürfte das auch für noch kleinere Kinder gelten. Das meinen jedenfalls die Kritiker des „Betreuungsgeldes“, das die Regierung letzte Woche beschlossen hat: Wer seine Kinder unter drei Jahren zu Hause betreut, soll ab 2013 monatlich 100 Euro vom Staat erhalten.

 

 

 

„Das Betreuungsgeld ist wie der Kohlepfennig“, spottet Tobias Schuhmacher, Chef der Jungunternehmer-Vereinigung Wirtschaftsjunioren: „Wir subventionieren ein System, von dem wir wissen, dass es überholt ist.“

 

 

 

Sigrid Stoss

 

 

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