Geschäftsklima-Index deutet auf bedenkliche Trendwende hin

Kippt die Konjunktur?

Containerschiff in Hamburg: Die Exportwirtschaft ist in Sorge. Foto: dpa

München. Das hat kaum einer erwartet: So schlagartig wie seit anderthalb Jahren nicht mehr ist das wichtigste Stimmungsbarometer der Wirtschaft gesunken. Der Index zum Geschäftsklima, den das Münchner Ifo-Institut jeden Monat in einer groß angelegten Firmen-Umfrage ermittelt, sank von 108,6 auf 107,3 Punkte.

Es ist der zweite Rückgang in Folge. Der dritte, so die Faustregel der Ökonomen, würde eine Trendwende Richtung Abschwung bedeuten. Kommentar vom Ifo-Institut: „Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr.“

Lange Zeit gingen der Export und auch die Beschäftigung immer nur in eine Richtung: nach oben. Doch „geopolitische Unsicherheiten und eine schwächelnde Weltwirtschaft drücken auf die Stimmungslage“, heißt es beim Außenhandelsverband BGA in Berlin. Das führe „zu Zurückhaltung bei der privaten Investitionstätigkeit“ – nicht gerade förderlich für weitere Jobs.

Der Maschinenbau-Verband VDMA rechnet beim Auftragseingang, also der Basis für die künftige Produktion, „für das laufende Jahr mit einem Nullwachstum“. So ist das bisher besonders dynamische Geschäft in den Schwellenländern ohne Kraft. Russland und Brasilien etwa stecken in der Rezession.

Und China meldete für 2015 das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert: Offiziell ist von 6,9 Prozent die Rede, doch Experten halten das für geschönt. „Es waren wohl nur 4 Prozent“, meint etwa Willem Buiter, Chefvolkswirt der US-Großbank Citigroup. „Ich erwarte, dass es 2016 auf 2,5 Prozent runtergehen wird.“ Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim stellte jetzt sogar die Frage in den Raum, „ob die chinesische Volkswirtschaft überhaupt noch unter Kontrolle zu halten ist“.

Sorge bereitet auch die zuletzt überraschend schwache Entwicklung in den USA: Im vierten Quartal 2015 lag das Wachstumstempo, auf ein ganzes Jahr hochgerechnet, nur noch bei 0,7 Prozent. Zudem schwelen politische Krisen – etwa der Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran oder das Treiben der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Die Aktienkurse in aller Welt sind seit Jahresbeginn eingebrochen.

Um 1,7 Prozent, so die bisherige Prognose der Bundesregierung, soll die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr wachsen. Der Ifo-Index ist noch auf recht hohem Niveau. Und selbst die nun befürchtete Trendwende nach unten würde nicht automatisch in eine Rezession führen, also in eine Zeit mit schrumpfender Wirtschaftsleistung. Doch die Risiken sind in den letzten Wochen merklich gestiegen.


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