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Kino: Warum die deutsche Film-Industrie so wenig exportiert

Kassenschlager: „Fack ju Göhte 2“ sahen im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Kinobesucher. Foto: Constantin Film Verleih

Potsdam/Berlin. Deutschland lacht. Elyas M’Barek und Karoline Herfurth sei es gedankt. Die Hauptdarsteller in „Fack ju Göhte 2“ gehören zum komödiantischen Spitzenpersonal des deutschen Films. Nicht zu vergessen Til Schweiger, der die Kinos mit „Honig im Kopf“ füllt. Beide Streifen zusammen brachten es im vergangenen Jahr auf 14 Millionen Zuschauer.

Mit 28 Prozent ist der Marktanteil deutscher Produktionen auf Rekordhöhe, so die staatliche Filmförderungsanstalt. Sie ermittelt seit 1968 in der Bundesrepublik die Besucherzahlen.

Für die Film-Industrie aber ist die Lage gar nicht so günstig, wie die Zahlen glauben lassen. Von einer „kulturellen Krise“ spricht Professor Martin Hagemann von der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam. „Die großen Erfolge sind fast ausschließlich Komödien.“ Und die Branche setzt, nach den Regeln der Marktwirtschaft, derzeit fast ausschließlich auf dieses Produkt. Andere Genres wie Thriller, Science-Fiction, Drama und Dokumentarfilm fristen ein Schattendasein. Das liegt auch am System der Filmförderung. Rund 350 Millionen Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung, davon knapp die Hälfte für die Produktion.

„Anstatt gezielt Produzenten und Regisseure mit Potenzial zu unterstützen“, so Hagemann, „wird das Geld breit verteilt. Alle werden bedient und irgendwie am Leben gehalten.“ Dazu kommt ein Dickicht aus Behörden und Gremien, durch das sich Filmemacher auf dem Weg zum Budget kämpfen müssen. „Ob Förderungsanstalten von Bund oder Ländern, Filmverleiher oder Fernsehredaktionen – jeder verfolgt ein eigenes Ziel“, beschreibt Hagemann das Problem.

Der eine will die Handlung in einer bestimmten Region ansiedeln. Der Nächste erwartet mehr Politik im Drehbuch, der andere weniger. Die Folge sind Filme, die es oft nicht mal in kleine Programmkinos schaffen.

Die fehlende Erfolgskontrolle rächt sich im internationalen Wettbewerb. Bei wichtigen Festivals, den Branchenschauen der Filmwirtschaft, sind deutsche Beiträge rar. Auf der jüngsten Berlinale war eine Produktion dabei, in Cannes und Venedig gar keine. Entsprechend findet kaum ein hiesiger Streifen in ein ausländisches Kino.

Filmexperte Hagemann plädiert dafür, die Förderung umzukrempeln. „Das Geld sollte weniger von Gremien vergeben werden, sondern nach Erfolgskriterien fließen.“ So bleibt den Machern mehr Freiheit – aber auch mehr Risiko. „Wer unter den kulturellen oder wirtschaftlichen Erwartungen abliefert, bekommt kein Geld mehr.“

Für die Branche ist das existenziell. Schließlich kann sie sich nicht allein auf M’Barek, Schweiger und Co. verlassen. „Wenn die mal was anderes machen wollen“, warnt Hagemann, „kann der Marktanteil auch schnell wieder in den Keller rutschen.“


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