Gesellschaft

Kinder, wo bleibt ihr?


Deutschland macht mal wieder Baby-Pause - das hat Folgen

Berlin. Alarmierende Zahlen: In keinem anderen EU-Mitgliedsstaat kommen so wenig Kinder zur Welt wie bei uns. Pro 1000 Einwohner wurden im letzten Jahr in Deutschland nur 8,2 Kinder geboren, im EU-Schnitt waren es fast 11. So das Ergebnis einer Studie des europäischen Statistikamts Eurostat, die gerade veröffentlicht wurde.

Das Elterngeld konnte den Negativtrend letztlich doch nicht stoppen. „In Deutschland lag die Geburtenrate zuletzt bei 1,37 Kindern pro Frau. Erforderlich sind aber mindestens 1,6 Kinder, um den Bevölkerungsschwund zu bremsen“, sagt der Soziologe Hans Bertram. In Frankreich, wo es deutlich mehr Kita-Plätze gibt als bei uns, liegt die Rate aktuell bei 1,9 Kindern.

Wenn diese Entwicklung hierzulande anhält, hat das dramatische Folgen: halbleere Kindergärten, halbleere Schulklassen, halbleere Unis, unbesetzte Lehrstellen, Fachkräftemangel – eine gefährliche Spirale. Dabei ist von sinkenden Umsätzen im Einzelhandel bei weniger Kunden noch gar nicht die Rede.

Zwei Erwerbstätige auf einen Rentner

Und auch für unsere Renten sind die Folgen unübersehbar. Kommen heute noch knapp vier Erwerbstätige auf einen Rentner, sind es im Jahr 2050 nur noch zwei – und das trotz Rente mit 67.

Zudem werden immer weniger Erwerbstätige einen ständig größeren Teil der Kosten fürs Gesundheitswesen schultern müssen. Gesundheit im Alter kommt teuer.

Was also ist zu tun? Die Politik steuert schon gegen: mit Kindergeld, Elterngeld und neuen Kitas. So will der Staat bis zum Jahr 2013 zusätzliche 300.000 Kita-Plätze einrichten. Dann könnten rein rechnerisch 35 Prozent der unter Dreijährigen betreut werden. Zusätzliche Kosten im Jahr: rund 2,3 Milliarden Euro.

Außerdem plant Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ein „Teil-Elterngeld“. Damit könnten junge Eltern in Teilzeit gehen und die Jobs behalten. Das wegfallende Einkommen würde vom Teil-Elterngeld ersetzt.

Das reicht nach Meinung vieler Experten aber immer noch nicht aus. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) empfiehlt, „noch deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen“, so etwa für gebührenfreie Halbtagsplätze in Kindergärten und eine bessere Ausbildung der Erzieher. Dieses Paket allerdings würde zusätzlich gut 5 Milliarden Euro im Jahr kosten.

Damit die Lust auf Kinder wieder zunimmt, lassen sich auch die Betriebe viel einfallen. Immer mehr bieten Möglichkeiten zur Kinderbetreuung während der Arbeitszeit. Die flexible Arbeitszeitgestaltung nimmt zu – gut für Väter und Mütter.

Bei all dieser Anstrengung: Jetzt droht noch Gefahr von einer ganz anderen Seite. Erstmals seit 1984 sind 2008 mehr Menschen aus Deutschland weggezogen als zugewandert. 738.000 Menschen gingen, nur 682.000 kamen.

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