Unser Geld

Keine Angst vor Inflation!


Trotz Wachstum weiterhin stabile Preise zu erwarten

Benzin und Diesel sind ganz schön teuer geworden. Einmal volltanken – und der Geldbeutel ist leer. Grund dafür ist vor allem der frühe Wintereinbruch, der die Nachfrage nach Erdöl antreibt. Und der gefallene Euro-Kurs, denn Öl wird in Dollar gehandelt.

Trotzdem: Insgesamt sind die Verbraucherpreise in Deutschland 2010 geschätzt nur um bescheidene 1,1 Prozent gestiegen. Und das, obwohl unsere Wirtschaft wieder mächtig Dampf macht – mit einem Wachstum von 3,3 bis 3,7 Prozent 2010 und erwarteten 2 bis 2,5 Prozent 2011.

Währungshüter bleiben gelassen

Im neuen Jahr rechnen Experten mit einer allenfalls leicht höheren Inflationsrate. So erwarten etwa die „Fünf Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat, die immer im Herbst ein Gutachten über

die wirtschaftliche Entwicklung für die Bundesregierung  schreiben, einen Preisanstieg von 1,4 Prozent.

Zuletzt haben sich außer Energie vor allem Gemüse und Obst sowie Bekleidung verteuert. Die Mieten blieben dagegen fast stabil. Pauschal­reisen und Elektronik-Produkte wie Digitalkameras und Fernsehgeräte kosten sogar weniger als vor einem Jahr.

Auch in der weiteren Zukunft erkennen Fachleute nichts, was Inflationsängste rechtfertigen könnte. Die 28 Wirtschaftsforschungs- und Finanzinstitute in Deutschland, die jeden Monat vom Londoner Unternehmen Consensus Economics befragt werden, erwarten für 2011 im Schnitt exakt so viel Teuerung wie die Fünf Weisen: 1,4 Prozent. Auch 2012 sollen die Preise nur um 1,6 Prozent steigen.

Für das gesamte Gebiet der Europäischen Währungsunion liegt die Prognose noch günstiger. Kein Grund also für die Europäische Zentralbank, gegenzusteuern. Sie hat laut Statut etwa mit höheren Zinsen dafür zu sorgen, dass die Preise insgesamt „stabil“ sind. Und das sind sie nach Auffassung der Währungshüter durchaus noch, so lange die Inflationsrate eine Eins vor dem Komma hat.

„Kapazitäten noch nicht ausgelastet“

Dass die Teuerungsrate in Deutschland leicht anzieht, ist auch für Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, kein Grund zur Besorgnis. „Diese Art von Inflation ist eine schöne Inflation. Sie ist ein Zeichen für das Wiedererstarken der Wirtschaft.“ Insofern sei es sogar ein gutes Zeichen, dass die Rate hierzulande etwas höher ausfalle als in anderen Euro-Ländern.

Gelassenheit bekundet auch Martin Blessing, der Chef der Commerzbank. Die deutschen Produktionskapazitäten seien noch nicht voll ausgelastet – die Nachfrage liege also noch unter dem Angebot. „Wie soll da Inflation entstehen?“, fragt der Banker. Und antwortet: „In den nächsten ein bis zwei Jahren gar nicht.“

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