Demographie

Keine Angst vor dem Alter


Die Raffinerie MiRO macht sich und die Mitarbeiter fit für den späteren Ruhestand

Die Rente mit 67: Bis dahin arbeiten, geht das überhaupt? In körperlich anstrengenden Jobs, in Schichtarbeit? Erhard Wolf und Werner Babinsky von der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe machen es vor. Beide sind 64 Jahre alt, Chemikanten und seit über 40 Jahren im Betrieb.

Jeden Tag stehen sie in der Coker-Anlage ihren Mann, und das sogar in Schichtarbeit. „Ich schlafe gut, kein Problem“, so Babinsky.

Gemeinsam packen sie kräftig an. „Das ist unsere Anlage; die muss laufen“, sagt Wolf. Auch Ingenieur Hanns-Jochen Ruschel ist mit 65 noch aktiv: „Die Arbeit ist interessant und anspruchsvoll. Ich werde mit meiner Erfahrung gebraucht. Warum soll ich da vorzeitig aufhören?“

Wolf, Babinsky und Ruschel zeigen: Man kann länger arbeiten. Doch sind die drei Mittsechziger die Ausnahme in der Raffinerie. Nur 20 der etwa 1.000 Beschäftigten sind 60 Jahre oder älter. Die meisten gehen früher in den Ruhestand.

„In Zukunft werden wir alle länger arbeiten, das wird normal sein“, ist Personalleiter Wolfgang Schott überzeugt. In den Chemiebetrieben ist es das große Thema: Die Altersteilzeit läuft laut Gesetz 2009 aus, die Rente gibt es erst mit 67, die Belegschaften werden älter.

Beispiel MiRO: Etwa 60 Prozent der Beschäftigten hier sind 40 Jahre oder  älter. Aber nur 12 Prozent der Mitarbeiter sind jünger als 30. Im Durchschnitt ist die Belegschaft 43 Jahre alt. Tendenz steigend.

Raffinerie stellte mehr Azubis ein

MiRO reagierte frühzeitig und vielseitig. Die Raffinerie stockte die Zahl der Azubis um 10 Prozent auf 70 auf und stellt neue Chemikanten ein. Zudem unternimmt MiRO eine Menge, damit die alternden Mitarbeiter fit bleiben.

„Wenn in einigen Jahren die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, brauchen wir jeden Mann an Bord!“, sagt Personalchef Schott. Trainer gehen in die Betriebe und machen Rückenübungen oder Gymnastik mit den Beschäftigten. Die Kantine bietet gesunde Ernährung. Im Sportverein tummeln sich 1.350 Mitglieder, 80 Prozent sind Mitarbeiter oder Angehörige.

Jedes Jahr 18 Tage Fortbildung

Flexible Schichtpläne lassen den Mitarbeitern viel Freiraum. Und jeder Schicht-Mitarbeiter absolviert im Jahr 18 Tage Training und Fortbildung.

„Zur Erhaltung der Gesundheit wird bei MiRO wirklich viel getan“, bestätigt Betriebsratschef Dieter Kaiser. Doch den späten Ruhestand sieht er skeptisch: „Schichtarbeit wird mit dem Alter nicht leichter.“ Nicht jeder radelt mit 64 noch zwei- mal die Woche 50 Kilometer wie Babinsky.

Wie es mit dem Übergang in den Ruhestand weitergeht, ist noch nicht klar. Betriebsratschef Kaiser favorisiert eine Verlängerung der Altersteilzeit. Personalleiter Schott hat ein Konzept für ein Lebensarbeitszeitkonto „in der Schublade“, aber noch keine Entscheidung getroffen. Der neue Tarifvertrag für Lebensarbeitszeit und Demografie lässt beides zu.

Nun will man bei MiRO hören, was sich die Belegschaft wünscht. Eine Umfrage soll Klarheit bringen. Dann wird es eine betriebliche Lösung geben. Vielleicht wird MiRO damit ein Vorreiter in der Branche.

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