Rohstoffe

Kautschuk-Mangel treibt die Preise


Asiatische Länder kaufen Märkte leer

Frankfurt. Alarm in der Kautschuk-Industrie: Der Preis für den Hauptrohstoff schnellte im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch. „Er übertrifft sogar den bisherigen Spitzenwert von 2008“, berichtet Fritz Katzensteiner, der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der Deutschen Kautschukindustrie (wdk).

So kostete eine Tonne Naturkautschuk an der Börse in Singapur 2010 im Jahresmittel mehr als 2.800 Euro. Noch nie lag ein Jahresmittel so hoch. Das bisher höchste Niveau erreichte der Preis 2008; damals waren 1.740 Euro für die Tonne zu zahlen. Auch an der Börse im wichtigen Erzeugerland Malaysia schossen die Preise in die Höhe (siehe Bildergalerie).

Warum wird der Saft aus dem Kautschukbaum so knapp? Ursache ist nach Einschätzung der Verbandsexperten vor allem die massive Nachfrage in den aufstrebenden Ländern Ostasiens. Allein China verbraucht bereits mehr als ein Viertel der jährlich weltweit produzierten 9,7 Millionen Tonnen Naturkautschuk.

Händler liefern nicht mehr pünktlich

Zudem ging zum Beispiel in Thailand im vergangenen Jahr die Kautschuk-Gewinnung zurück. Diese Entwicklung bekommen natürlich auch die Gummi-Firmen hierzulande zu spüren. Viele Händler können nicht mehr pünktlich liefern. „Der Rohstoff ist sehr knapp“, sagt wdk-Hauptgeschäftsführer Katzensteiner. „Die Beschaffung von Vormaterialien dauert deshalb sehr lang.“ Die Lage könnte sich nach Auffassung vieler Experten noch verschärfen.

Für Europa wird der Kautschuk-Hunger Asiens immer mehr zum Problem. Denn ganz auf künstlich hergestellten Kautschuk können die Firmen nicht umschwenken. Der Synthesekautschuk kann den Rindensaft des Kautschukbaums nämlich nur in manchen Fällen ersetzen.

„Beim Dämpfungsverhalten und bei der Rissbeständigkeit ist das Naturprodukt dem Synthese-Gummi deutlich überlegen“, weiß Professor Ulrich Giese vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie in Hannover.

Viele Firmen haben derzeit volle Auftragsbücher. „Doch wenn wichtige Rohstoffe knapp und teuer werden, stellt das eine Menge Betriebe vor Probleme“, fürchtet Norbert Reiners vom Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie. Denn die Branche lebt zum großen Teil von der Auto-Industrie. Die Zulieferer sind derzeit in Sorge, weil sie in der schwächeren Position sind.

Kostendruck wird stärker

„Die Autobauer wälzen Kostendruck häufig auf die Zulieferer ab und setzen Preissenkungen manchmal rigoros durch“, weiß Reiners. „Höhere Rohstoffpreise verschärfen das Problem noch.“

Auch Babyschnuller, Gummihandschuhe und Latex-Matratzen sind aus dem begehrten Rohstoff. Selbst das Unternehmen Mapa im norddeutschen Zeven zum Beispiel, der Kondome vertreibt, spürt den Preisdruck.

Bisher sei er nicht weitergegeben worden. Wie lange das durchzuhalten sei, lasse sich nicht sagen. „An den Produktionskosten kann man nicht viel optimieren“, so Mapa-Werkdirektor Ralf Holschumacher. „Und noch dünner machen können wir die Kondome nicht.“

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Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK) e.V.

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