Arbeitsmarkt

Kampf um die Mülltonnen


Ein Müll-Arbeiter: Für ihn und seine Kollegen soll es bald eine Lohn-Untergrenze geben. Foto: Caro

Umstritten: Jetzt wird auch in der Entsorgungsbranche ein Mindestlohn ausgehandelt

Berlin. Bei den Müllentsorgern geht es zu wie im Haifischbecken: Kommunale Anbieter, Konzerne und Kleinbetriebe buhlen um die Aufträge. Jetzt ist ein Mindestlohn für die Branche im Gespräch. Und der könnte für einige das Aus bedeuten. Doch wem würde das eigentlich nützen?

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) aus Berlin hat sich dazu durchgerungen, den Mindestlohn zu befürworten. Sprecher Karsten Hintzmann: „Es gibt Betriebe, die versuchen, mit Niedriglöhnen Wettbewerbsvorteile zu gewinnen. Wir wollen, dass Vollzeit-Beschäftigte mit ihrem Lohn ihre Familien ernähren können.“

Gefährdet: Jobs von Geringqualifizierten

Der Entsorgungs-Unternehmer Rainer Westarp aus Aschaffenburg, der 80 Mitarbeiter beschäftigt, sieht die Billig-Konkurrenz allerdings gelassen. „Es gibt immer mal welche, die günstiger sind als man selbst – und das muss auch nicht an den Löhnen liegen.“ Ihm stinkt, „wenn sich der Staat in Dinge einmischt, die  normalerweise die Wirtschaft selbst regelt“. Er selbst zahle seinen Mitarbeitern relativ viel, daher käme seine Firma durch einen Mindestlohn nicht in Not.

Wie viele Betriebe betroffen wären, können die Verbände nicht beziffern. Neben dem BDE mit überwiegend großen Anbietern gibt es den Branchenverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Er vertritt vor allem Mittelständler. Und ist entschieden gegen den Mindestlohn.

Dass es Niedriglöhne gibt, hat auch sein Gutes, sagt bvse-Sprecher Jörg Lacher: „Es gibt in unserer Branche viele Geringqualifizierte, die woanders keinen Job finden.“

Wo der Lohn zum Leben nicht reiche, gebe es die staatlichen Hilfen. „Das ist dreimal besser, als wenn diese Leute nur von Lohnersatzleistungen leben.“ Auch viele tariflich entlohnte Müll-Leute stockten ja ihr Einkommen mit Hartz IV auf, um die Familie zu ernähren. Die Mitarbeiter der untersten Lohngruppe verdienen derzeit 7,60 Euro brutto die Stunde.

Der bvse fürchtet, dass die kommunalen Anbieter und Konzerne eine „unheilige Allianz“ gegen den Mittelstand bilden. Und den Mindestlohn nutzen, um den Wettbewerb zu steuern. Die kommunalen Anbieter haben bereits einen Vorteil: Sie sind von der Mehrwertsteuer befreit.

Zahlen Verbraucher die Zeche?

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin warnt, dass in einzelnen Branchen Arbeitgeber und Gewerkschaften über Festsetzung von Mindestlöhnen „Kartelle“ bilden könnten, die den Wettbewerb anderer Unternehmen verhindern. Laut bvse zahlen die Verbraucher die Zeche.

Höhere Personalkosten müssten schließlich hereingeholt werden, so Lacher. „Das wird sicher auch in die Verbraucherpreise eingehen.“

Info: Mindestlohn für Müllmänner

Im August haben der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände beschlossen, mit der Gewerkschaft Verdi einen Mindestlohn für die Entsorgungsbranche auszuhandeln. Den soll der Bundesarbeitsminister für alle Unternehmen verbindlich machen. Er wird unter 7,60 Euro pro Stunde liegen, da hier die Tariflöhne beginnen.

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