Europäische Zentralbank möchte die Inflationsrate etwas erhöhen

Kampf gegen die Deflation – mit Zigmilliarden Euro

Frankfurt/Kiel. Wenn es Nacht wird am Main, brennt in vielen Büros der Europäischen Zentralbank (EZB) noch Licht. Auch weil die Währungshüter nun mit einer eigenartigen Aufgabe beschäftigt sind: Sie versuchen, unsere Lebenshaltungskosten auf mittlere Sicht wieder ein wenig steigen zu lassen.

Wie bitte? Just die Leute, die für einen harten Euro sorgen sollen, wollen unsere Kaufkraft schwächen?

Dazu muss man wissen, was die EZB selbst unter „Preisstabilität“ versteht: nicht etwa 0 Prozent Inflation pro Jahr, sondern „unter, aber nahe 2 Prozent“.

2015 werden die Preise wohl kaum steigen

Das sehen auch die meisten Wirtschaftsforscher so. Sie sagen: Mit einer leichten Geldentwertung kommen Betriebe und Bürger am besten klar. Null-Inflation kann leicht ins Negative drehen – und falls dann alle erwarten, dass die Preise fallen, droht eine Deflationsspirale: Kaufzurückhaltung, sinkende Produktion, weniger Arbeit und Lohn, noch weniger Konsum und so weiter.

Seit Dezember liegt die EU-weite Inflation tatsächlich im Minus. Deswegen flutet die Zentralbank den Euro-Raum jetzt mit billigem Geld – 60 Milliarden Euro pro Monat. Damit kauft sie, „um den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation zu begegnen“, seit März Staatsanleihen.

Im Endeffekt soll das Banken dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben, was die Konjunktur ankurbeln soll und auch die Preise. Zudem drückt die Geldschwemme den Wechselkurs, Importe werden tendenziell teurer, auch das wirkt preistreibend. Doch die EZB-Politik wirkt nur langsam. 2015 dürften die Preise in Deutschland kaum steigen. Die aktuelle Durchschnittsprognose von rund 30 Banken und Instituten („Consensus Forecast“) lautet: 0,4 Prozent.

Anders als in Teilen Südeuropas, wo die Preise krisenbedingt bröckeln, ist die Mini-Inflation bei uns vor allem auf den Ölpreis-Verfall zurückzuführen. Mineralölprodukte waren im Februar um 15 Prozent billiger als vor Jahresfrist.

„Von Deflation kann in Deutschland keine Rede sein“, betont das Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Die geringeren Teuerungsraten schwächen nicht den Konsum, sondern sie stärken ihn.“ Tatsächlich ist die vom Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK ermittelte „Anschaffungsneigung“ so hoch wie zuletzt Ende 2006. Die „Sparneigung“ wiederum hat im Februar „ein historisches Tief erreicht“: Von Kaufzurückhaltung keine Spur.

Für das konjunkturstarke Deutschland allein wäre ein Gegensteuern der Währungshüter wohl gar nicht nötig. Sie haben aber das Ganze im Blick: einen stabilen Euro-Raum – der auch unseren Wohlstand sichert.


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Die Europäische Zentralbank hat kürzlich beschlossen, massenhaft Staatsanleihen aufzukaufen. Ein Grund dafür: Eine drohende Deflation soll verhindert werden. Denn sinkende Preise können eine Volkswirtschaft in große Schwierigkeiten bringen.

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