Wirtschaftslexikon

Kalte Progression

Die kalte Progression ist eine Folge des Tarifs der deutschen Einkommensteuer. Sie bewirkt, dass Steuerzahler mit steigendem Einkommen vom Staat prozentual stärker zur Kasse gebeten werden – auch dann, wenn sich ihr Einkommen real, das heißt bereinigt um die Inflation, nicht im gleichen Maß oder gar nicht erhöht.

Erhält etwa ein Arbeitnehmer eine Gehaltserhöhung, die unterhalb der Rate der Preissteigerung liegt, kann er sich von seinem Einkommen weniger kaufen als zuvor. Er muss aber trotzdem einen größeren Anteil seines Einkommens als Steuer abführen. Da der Staat regelmäßig von der kalten Progression profitiert, wird sie auch als „heimliche Steuererhöhungen“ bezeichnet.

Grund dafür ist die Konstruktion des deutschen Steuertarifs, der progressiv verläuft. Das bedeutet, dass ein Bürger von jedem Euro, den er zusätzlich verdient, einen größeren Steueranteil zahlen muss. Zum Beispiel müssen für den 8131-sten Euro des Jahreseinkommens 14 Cent an das Finanzamt überwiesen werden. Für den 13470-ten verdienten Euro sind es schon 24 Cent.

Steuertarif könnte an Inflation gekoppelt werden

Kritiker halten es für falsch, dass ein Staat allein deswegen mehr Steuern einnimmt, weil das nicht inflationsbereinigte Einkommen seiner Bürger steigt. Sie fordern deshalb einen Steuertarif „auf Rädern“, der sich in Abhängigkeit von der Inflationsrate von Jahr zu Jahr anpasst. Die Steuerbelastung würde somit vom Realeinkommen abhängen.

In der Politik findet diese dauerhafte und systematische Lösung bisher jedoch keine Mehrheit. Der entscheidende Haken: Der Staat müsste regelmäßig auf seine verdeckten Steuermehreinnahmen verzichten.


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