Umweltzonen

Jetzt wird es eng


Freie Fahrt bald nur noch mit grüner Plakette?

Köln. Erst war es der Feinstaub, jetzt macht Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft von sich reden. Seit Jahresanfang gilt für dieses gesundheitsschädliche Reizgas ein EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Umgebungsluft – im Jahresdurchschnitt. Jetzt zeigt sich: Der Wert wird 2010 wohl in weiten Teilen Deutschlands überschritten.

Experten rufen nun nach schnellen Lösungen. Eine davon: die im Jahr 2008 wegen des Feinstaubs eingerichteten Umweltzonen ausweiten.

Kommunen müssen umdenken

Einige Städte haben Autos mit roter Plakette schon aus ihrer City verbannt, etwa Augsburg, Bremen und Frankfurt. Berlin und Hannover lassen nicht mal mehr Autos mit gelber Plakette rein. Weitere Städte wollen folgen.

Das Bundesumweltamt gibt Schützenhilfe: Wenn nur  Autos mit grüner Plakette fahren, sinkt der Ausstoß von Feinstaub und NO2 um ein Zehntel. „Auch mehr Tempo-30-Zonen und Durchfahrverbote für Lkws könnten helfen“, sagt Hans-Joachim Hummel, Experte für Luftreinhaltung. 

Selbst Kommunen, für die  Fahrverbote tabu sind, könnten wegen des neuen Grenzwerts für Stickstoff­dioxid zum Umdenken gezwungen werden: Seit 2007 dürfen Bürger ihr Recht auf saubere Luft einklagen. Auch wenn sie damit ihre Sorgen um die Gesundheit nur auf die Nachbargemeinde verschieben. „Eine Erweiterung von Umweltzonen“, erklärt Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, „führt nur zu einer Verlagerung der Belastung.“ Im Klartext: Die Dreckschleudern machen dann eben Umwege.

Und was tut die Auto-Industrie? „Die Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung von Fahrzeugen, die die erst in fünf Jahren verbindliche Euro-6-Abgasnorm erfüllen“, versichert Eckehart Rotter, Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie  (VDA). „Schon heute bieten unsere Hersteller elf Modellreihen mit Euro6 an. Da sind wir unseren Wettbewerbern weit voraus.“

Im Wirrwarr der Normen

Die Euro-6-Norm regelt die Emission – also das, was aus dem Auspuff kommt. Im Vergleich zur Euro-4-Norm verringern sich mit Euro6 bei Diesel-Pkws die Stickoxid-Emissionen um 68 Prozent. Dazu gehört auch NO2. Dies penibel umzusetzen, ist für die Hersteller ein Kraftakt. Doch was jetzt viele Experten verwundert: Der neue Grenzwert für die Immission – also das, was an Schadstoffen in der Luft ist – passt überhaupt nicht zu den Vorgaben der Euro-6-Norm.

In Brüssel weiß offenbar die eine Hand nicht, was die andere tut. VDA-Sprecher Rotter: „Die Harmonisierung zwischen Immissions- und Emissionsgrenzwerten ist überfällig.“

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