Leitartikel

Jetzt werden die Köpfe knapp

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Das ist happig: Um insgesamt 8 Prozent ist 2012 und 2013 die Zahl der neuen Lehrlingsverträge eingebrochen. Obwohl es in den Betrieben so viel Arbeit gibt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Rückgang der dualen Ausbildung hat also nichts mit der Wirtschaftslage zu tun. Es ist die Demografie-Falle, die jetzt zuschnappt.

Dass bei den Gewerkschaften der Beißreflex ausblieb und sie auf die neueste amtliche Statistik gar nicht mehr mit Vorwürfen reagierten, lässt tief blicken. Was soll man denn noch meckern? Die Wirtschaft fragt sich ja selbst, wie sie künftig noch in voller Mannschaftsstärke auf dem Spielfeld stehen soll.

Bis 2025 wird die Zahl der nicht studienberechtigten Schulabgänger noch einmal um ein Fünftel sinken, heißt es im Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Man kann das Problem ein wenig lindern, wenn man Abiturienten vom Studieren abhält und sie auf die Vorteile des direkten Einstiegs in das Berufsleben hinweist. Aber es ist nun einmal so: Der Geburtsjahrgang 1998, der jetzt auf den Lehrstellenmarkt kommt, ist nur noch zwei Drittel so groß wie der Geburtsjahrgang 1968.

In einer Szenario-Rechnung von Demografie-Forschern wird die Zahl der Erwerbstätigen 2014 und 2015 noch leicht steigen – und dann unerbittlich fallen, Jahr für Jahr um mehrere Hunderttausend. Am Ende der nächsten Dekade, 2030, sind 4,2 Millionen Stellen weg. Weil schlicht die Leute fehlen.

Das Szenario unterstellt, dass wir im Schnitt so lange arbeiten wie heute und dass per saldo jährlich 100.000 Zuwanderer kommen. Das sind Stellschrauben, an denen wir noch drehen können. Die Diskussionen darüber fangen gerade erst an.


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