Krisenbewältigung

Jetzt ist Zeit für sattes Rot!


Wie der Lippenstift-Weltmarktführer die Lage beurteilt

Heroldsberg. Mitten in die Re­zession hinein er­reicht uns diese frohe Botschaft: „Rote Lippen sind wieder gefragt.“

Wie bitte? „Je tiefer die Krise, desto intensiver die Lippenfarbe“, versichert Marion Geyer. Und sie muss es wissen. Sie ist Marketing-Leiterin des heimlichen Weltmarktführers, der  Schwan-Stabilo Cosmetics  in Heroldsberg bei Nürnberg.

In der Branche kursiert ein „Lippenstiftindex“ zu diesem sehr speziellen Aspekt der Konjunktur-Theorie. Er besagt: In Krisenzeiten ist nicht mehr so viel Luxus drin – aber wenigs­tens muss dann ein neuer Lippenstift her! Tatsächlich meldet etwa der US-Konzern Estée Lauder für seinen beliebtesten Stift 6 Prozent Umsatzplus in den ersten drei Monaten dieses Jahres.

1.030 Mitarbeiter fertigen bei Schwan-Stabilo Cosmetics für fast alle internationalen Kosmetikfirmen herausdrehbare Lippenstifte, Lidschatten oder Ab­deckstifte – in mehr als 10.000 Fa­r­ben. Darunter 800 verschiedene Rot-Töne.

Trend-Agenturen in aller Welt

Und woher weiß Marketing-Leiterin Geyer so genau, was angesagt ist? Schon im Herbst 2008 suchte sie mit ihren fünf Mitarbeiterinnen die Farben für 2010 aus. Beraten wird sie von Spezial-Agenturen in al­ler Welt, die die Trends in Gesellschaft, Kunst und Technik beobachten. Die muss sie für Kosmetik-Kunden filtern. Lo­gisch: „Nicht je­de Farbe aus der Mode kann man sich fürs Gesicht vorstellen.“

Aus ihrer Auswahl wurden Musterstifte produziert, mit denen schminkte man Models und band die Fotos zu einem kleinen, feinen Buch: „Das stellen wir jetzt unseren Kunden vor“, berichtet Geyer.

Darin finden sich noch andere Schmink-Trends – etwa Metallstrukturen, wie wir sie aus der Technik kennen. Oder die Farbwelt „Solar“. Wenn Geyer die be­schreibt, dann klingt das so: „Zu Safran-Gelb für die Augen kommen Dunkel-Lila und Matt-Grün. Das er­in­nert an ge­trock­nete Gräser in der Gegend um Los Angeles, mit ei­nem edlen Schimmer. Den Eindruck eines Sonnenuntergangs in Kalifornien verfeinern wir mit Gold-Akzenten.“

110 Mitarbeiter in der Forschung

Die Schwanhäußer Industrie Holding, zu dem das Unternehmen gehört, blickt auf eine lange Tradition zurück: 1855 als Bleistiftfabrik gegründet, ist sie noch heute vor allem durch Schreibgeräte bekannt, unter anderem den Leuchtmarker „Stabilo Boss“. Auf den Kosmetik-Artikeln findet sich statt des firmen­eigenen kleinen Schwans das Logo des jeweiligen Auftraggebers – wohl deshalb weiß kaum einer, dass Schwan-Stabilo Cosmetics mit einem Anteil von 30 Prozent Weltmarktführer ist.

Dabei arbeiten allein in dessen Forschungs- und Entwicklungsabteilung 110 Leute. Sie entwickeln ausgefallene Lö­sungen, um etwa die Schminkstifte einfacher bedienbar und ihre Minen bruchsicherer zu machen.

Damit das Rot auch wirklich auf die Lippen kommt.

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