Nischenprodukt aus Thüringen

Jetzt ist wieder Hochsaison für Kuhglocken – und hier entstehen sie

Es ist wieder Alm-Abtrieb – und Hochsaison für Kuhglocken. Zu den wenigen Firmen weltweit, die auf dieses Nischenprodukt spezialisiert sind, zählt die Firma Venter in Thüringen. Wie haben den 15-Mann-Betrieb besucht.

Handgefertigt: Chefin Bärbel Hartig prüft das Produkt. Foto: Deutsch

Handgefertigt: Chefin Bärbel Hartig prüft das Produkt. Foto: Deutsch

Präzise: Der Schlosser schweißt Grundformen aufeinander. Foto: Deutsch

Präzise: Der Schlosser schweißt Grundformen aufeinander. Foto: Deutsch

Metallbau: Die Rohlinge aus der Produktion des Familienbetriebs. Foto: Deutsch

Metallbau: Die Rohlinge aus der Produktion des Familienbetriebs. Foto: Deutsch

Stylish: Stahlblech-Accessoire samt Lederband. Foto: Deutsch

Stylish: Stahlblech-Accessoire samt Lederband. Foto: Deutsch

Kleinschmalkalden. Wenn Bärbel Hartig ein Wort nicht so gerne hört, dann dieses: Kuhglocke. „Glocken sind aus Messing oder Bronze und wären für ein Tier auf Dauer viel zu schwer. Aber das Wort hat sich halt eingebürgert“, sagt Hartig. Gemeinsam mit ihrem Cousin David Venter ist sie Chefin eines ganz besonderen Weltmarktführers.

Seit 1874 stellt der Familienbetrieb Venter aus Kleinschmalkalden in Thüringen Schellen her. „Die sind aus Stahlblech“, erklärt David Venter. Gut viereinhalb Kilo wiegt so eine große Kuhschelle. Das 30 Zentimeter hohe Accessoire hat gerade Konjunktur. Denn es ist Alm-Abtrieb in den bayerischen Alpen, in Österreich, Südtirol und in der Schweiz.

Nur ganz wenige Firmen weltweit tummeln sich auf diesem Nischenmarkt. „Bei den Schellen für Vieh liegt ein Betrieb aus Österreich vorn, dafür stehen wir bei touristischen Produkten an der Spitze“, sagt Venter. Die machen den Großteil des Geschäfts aus.

Mehr als 100 Produkte haben die Thüringer im Programm, mit Messing oder rotem Pulverlack überzogen, bedruckt oder bemalt – und als präzise gestimmte Musikschelle etwa für Spielmannszüge. Das Produktionsverfahren ist klassischer Metallbau. Aus Stahlblech werden Grundformen gestanzt und in Form gepresst, also tiefgezogen. Dann werden zwei Hälften aufeinandergeschweißt. Samt Klöppel und Galgen, so heißt der Griff, geht es zur Reinigung ins Säurebad. Schließlich folgt eine Oberflächenbehandlung gegen Rost.

Über eine Million Schellen verlassen jährlich den 15-Mann-Betrieb. Die kleinsten sind für 2 Euro zu haben. Für eine Kuhschelle samt Lederband – das allerdings lassen sich die Thüringer von einem Nachbarbetrieb im Ort zuliefern – legt ein Milchbauer etwa 60 Euro hin.

Ein Selbstläufer allerdings ist das Schellen-Geschäft nicht. „Wir besuchen internationale Messen und Events“, sagt Bärbel Hartig. „Zur Ski-WM in St. Moritz im Februar 2017 werden wir ein besonderes Stück in limitierter Auflage herstellen.“ Und auf der Grünen Woche nächstes Jahr in Berlin wird David Venter seine Handwerkskunst vor Publikum zeigen.

Markenpflege halt. Immer wieder erklärt er bei solchen Anlässen, warum Schellen aus Thüringen kommen: „Früher hatte hier jeder Dörfler eine Kuh. Die wurde morgens vom Hirten geholt und abends gebracht. Damit der die Tiere jederzeit wiederfinden konnte, bekamen sie eine Schelle, wie bei den Alm-Hirten.“


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