Für 12 Euro auf die Kanaren fliegen

Jetzt ist die Zeit für Reise-Schnäppchen!


In der Schlange: 29 Millionen Billigflug-Gäste verzeichnet der „Low Cost Monitor“ allein fürs erste Halbjahr 2012. Foto: dpa

Köln. Kaum haben die Reiseveranstalter in diesen Tagen und Wochen ihre Ferienprogramme präsentiert, fangen die ersten schon an zu buchen. Und viele Urlaubswillige werden hierbei feststellen, dass ein Flug auf die rund 3.500 Kilometer entfernten Kanaren billiger ist als der Gang ins Restaurant um die Ecke: Für 12 Euro pro Strecke, inklusive Steuern und Gebühren, bot dies die Billiglinie Ryanair letzte Woche in einer Schnäppchen-Aktion an.

„Noch 1990 waren manche Flüge für einen Durchschnittsverdiener kaum bezahlbar“, so der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. So kostete ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück, der heute mit etwas Glück für 399 Euro zu haben ist, damals 1.750 Euro. Die Preise wurden seinerzeit nicht vom Wettbewerb gemacht, sondern von den Regierungen – pro Strecke gab es nur einen Tarif.

Dann kam, auf Betreiben der EU, die Liberalisierung des Luftverkehrs. Flüge sind für fast jedermann erschwinglich – trotz der hohen Kerosinkosten und trotz der Luftverkehrsabgabe, die seit 2011 auf jedes Ticket fällig wird (7,50 Euro pro Kurzstrecke, 23,43 Euro pro Mittelstrecke und 42,18 Euro pro Langstrecke).

Der hart umkämpfte Markt der Low-Cost-Carrier übt weiter Druck auf die Preise aus. Jüngstes Ereignis ist die Entscheidung der Lufthansa, ab 2013 mehr Flüge unter dem Namen „Germanwings“, ihrer Billigflug-Tochter, abzuwickeln. Natürlich sind die Niedrig- immer auch Lockpreise: Über alle Strecken und Buchungszeitpunkte gerechnet, kostet ein Billigflug zwischen 70 und 120 Euro, je nach Anbieter – das rechnet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im neuen „Low Cost Monitor“ vor.

Das Reisebüro liegt immer noch vorn

Ein weiterer Grund für das sinkende Preisniveau ist auch die Entwicklung im Flugzeugbau: „Je größer die Maschinen, desto mehr Leute fliegen mit und desto günstiger sind die Preise“, sagt Schellenberg.

Und Urlauber haben heute eine viel größere Auswahl als früher. Laut DLR gibt es zurzeit insgesamt 648 Billigflug-Strecken in und ab Deutschland. Vor zehn Jahren waren es gerade mal 26.

Trotz der günstigen Flüge und Pauschalpakete geben die Deutschen immer mehr für den Urlaub aus: 1995 waren es noch 46 Milliarden Euro, 2011 schon 56 Milliarden, berichtet Ulf Sonntag von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in Kiel, die jährlich eine große Umfrage zu diesem Thema macht. Kurz mal wegfliegen, das gehört auch für viele Menschen mit wenig Einkommen zum Lebensstandard. „Bevor wir auf Urlaub verzichten, sparen wir uns andere Dinge vom Mund ab“, sagt Sonntag.

Erstaunlich: Das Internet dient für viele nach wie vor nur zur Information – etwa beim virtuellen Rundgang durch das Feriendomizil. „Die bei weitem wichtigste Buchungsstelle“, so Sonntag, „ist immer noch das Reisebüro.“

Überflieger mit Bodenhaftung: Die zehn größten Flughäfen Europas sehen Sie hier auf AKTIVonline.

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