Immer mehr Betriebe setzen auf umweltfreundliche Stromer

Jetzt geht bei den Elektroautos die Post ab


Bonn. Frank Söntgen quält ihn Tag für Tag. Anfahren, bremsen, Motor aus, starten und wieder losfahren – locker 200 Mal pro Schicht. Ein Wagen mit Verbrennungsmotor würde dem Postzusteller das sicher gelegentlich übel nehmen. Doch Söntgen liefert seine Briefe und Pakete mit einem Elektrofahrzeug aus. „In einem ganzen Jahr hat mich die Kiste nie im Stich gelassen“, sagt der 36-Jährige aus Bonn.

Eine Aussage mit Seltenheitswert. Fans strombetriebener Autos muss man in Deutschland mit der Lupe suchen. Anfang des Jahres waren hier nur 7.114 E-Mobile unterwegs. Und Experten sowie Autobauer halten das Ziel der Bundesregierung – eine Million Elek-trofahrzeuge bis 2020 – inzwischen für kaum erreichbar.

Hohe Anschaffungskosten und vergleichsweise geringe Reichweiten schrecken Verbraucher und Betriebe ab. Und doch ändert sich gerade etwas: So tauscht die Post Zug um Zug ihre Fahrzeuge aus.

Allein die 130 Wagen starke Flotte in Bonn wird bis 2016 komplett durch E-Mobile ersetzt. Der Logistikriese spricht von einem weltweit einzigartigen Projekt. Führt die Umwelt-Offensive zum Erfolg, dann soll bundesweit bei der E-Mobilität die Post abgehen.

Und nicht nur dort. „Ein enormes Potenzial“, sagt Professor Martin Wietschel „steckt für Firmen und Gewerbetreibende in der E-Mobilität.“ Die fahren meist kurze Strecken auf planbaren Routen. „Da reicht oft eine Batterieladung pro Tag“, so der Experte vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. Im Vergleich zum hohen Verbrauch eines Verbrennungsmotors beim „Stop and go“ könne sich ein teurerer Stromantrieb rechnen.

Bei den Anschaffungskosten für die Akkus hat sich schon viel bewegt. Lag der Preis des Kraftpakets im letzten Jahr noch bei 650 Euro je Kilowattstunde, sind es derzeit noch 500 Euro. „Bis 2020 dürfte er auf 250 bis 300 Euro sinken“, schätzt Wietschel. Dann wird ein komplettes Antriebspaket noch 5.000 Euro kosten.

Um das zu schaffen, arbeiten 650 Partner – Autohersteller, Zulieferer, Hochschulen und Forschungseinrichtungen – in mehr als 100 Projekten an den Akkus von morgen. In heutigen Elektroautos stecken Lithium-Ionen-Akkus, die für eine Reichweite von bestenfalls 200 Kilometern sorgen.

Hoffnung auf lange Strecken machen Lithium-Schwefel- und Lithium-Luft-Batterien, an denen unter anderem der Chemieriese BASF forscht. Damit lässt sich die Energiedichte verdoppeln oder vervierfachen. „Doch es gibt noch viele Probleme zu lösen“, schränkt Olaf Wollersheim vom Karlsruher Institut ein. „Die neuen Typen werden nicht vor 2025 serienreif sein.“

Deshalb setzen die deutschen Autokonzerne auf den sogenannten Range Extender, einen Stromer mit Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer. Im Gegensatz zum Hybridfahrzeug ist hier der Strom die Hauptkraftquelle.

Im Herbst kommt ein 170 PS starker Kompaktwagen auf den Markt – er wird mit Strom angetrieben

Vor allem die Bayern drehen auf: 3 Milliarden Euro hat BMW in seinen i3 gesteckt, der im Herbst vom Band laufen soll. Der 170 PS starke Kompakte mit Kohlefaserkarosserie wird dann als reines Elek­troauto und als Range Extender angeboten. Forscher Wietschel: „Wenn ein großer Hersteller wie BMW so viel Tempo macht, gibt das der Sache noch einmal einen richtigen Schub.“

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