Arbeitslosigkeit

Jeder Dritte ist weg


1,6 Millionen Arbeitslose weniger als vor drei Jahren. Wie geht es weiter?

Nürnberg/Berlin. Bis zu 4,8 Millionen Arbeitslose gab es unter Helmut Kohl, bis zu 5,3 Millionen unter Gerhard Schröder. „Es gab vor mir Kanzler“, sagt Angela Merkel, „die in die Luft gesprungen wären“ angesichts der neuesten Zahlen aus Nürnberg.

Exakt 3,16 Millionen Jobsucher waren im Juni 2008 bei den Arbeitsagenturen registriert, ein Drittel weniger als vor drei Jahren. In Bayern sind sogar 47 Prozent der Arbeitslosen weg, in Baden-Württemberg 43 Prozent. Und in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit der schlechtesten Bilanz, immerhin 28 Prozent.

Trotzdem springt die Kanzlerin lieber nicht in die Luft. Es kam ja auch neulich, auf der Tribüne der Fußball-Europameisterschaft, nicht wirklich gut rüber. Stattdessen gibt sie die Devise aus: Aller Anfang ist leicht!

Experten bleiben zuversichtlich

„Die Bretter, die wir jetzt bohren müssen, werden noch dicker“, stimmt Merkel das Land auf neuerliche Reformen ein. „Der weitere Abbau der Arbeitslosigkeit wird schwieriger, weil es nun vor allem in den wirtschaftsstarken Regionen um die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten geht.“  Dazu sollen die Förder-Programme noch zielgenauer werden. Und Hartz-IV-Empfänger dürfen von selbst hinzuverdientem Geld vielleicht bald mehr behalten.

Aber kann die Arbeitslosigkeit überhaupt noch weiter sinken, den jüngsten Negativ-Meldungen aus einzelnen Unternehmen zum Trotz? Mit ihrem Optimismus steht die Kanzlerin nicht ganz allein. Das Londoner Umfrage-Institut „Consensus Economics“ befragte letzten Monat 28 Banken und Forschungsinstitute in Deutschland. 20 von ihnen äußerten die Erwartung, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2009 niedriger liegen wird als 2008.

So erwartet zum Beispiel das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen einen weiteren Rückgang auf 2,99 Millionen Arbeitslose. „Dazu dürfte beitragen, dass sich die Wirtschaft in den USA belebt und der Welthandel wieder rascher ausgeweitet wird“, heißt es im neuen Konjunkturbericht des Instituts.

Übrigens: Nicht nur die Jungspunde haben vom Aufschwung profitiert. Im Juni 2008 gab es 420.000 Arbeitslose,  ab 55 Jahren. Das waren 29 Prozent weniger als vor drei Jahren.

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