Hilfe für die Armen

Jeder Cent füllt die Schüssel


Unicef-Deutschland-Chef Jürgen Heraeus: „Jede noch so kleine Spende hilft helfen“

Mit 71 Jahren freuen wir uns des Lebens, gehen Hobbys nach, genießen den Ruhestand.  Das könnte Dr. Jürgen Heraeus eigentlich auch, aber Müßiggang ist nicht sein Ding. Als Unternehmer hatte er Erfolg. Den will er nun auch mit Unicef erreichen.

Seit 1964 arbeitet Jürgen Heraeus für die Heraeus-Holding in Hanau, machte aus der Firma einen global arbeitenden Edelmetall- und Technologiekonzern. Unter seiner Führung verdreifachten sich Umsatz und Mitarbeiterzahl. Im Jahr 2000 wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats, gab die operative Firmenleitung ab. Heute hat Heraeus 11.000 Mitarbeiter, der Jahresumsatz liegt bei mehr als 12 Milliarden Euro.

Führungskrise bei Unicef

Jetzt hat Jürgen Heraeus mit 71 eine weitere Herausforderung angenommen: Als neuer ehrenamtlicher Vorsitzender ist er seit dem 11. April dabei, Unicef Deutschland wieder auf Kurs zu  bringen.  „Für  mich  ist  es eine Verpflichtung, zu helfen. Unicef ist wichtige Organisation, die etwas in Schieflage geraten ist, weil die  Krisenbewältigung der Vorgängerführung nur sehr mangelhaft war“, sagt Heraeus zu AKTIV.

Die Krise bei der Deutschland-Sektion des Weltkinderhilfswerks hatte verschiedene Ursachen. Es gab keine Veruntreuung oder persönliche Bereicherung. Aber es fehlte an Transparenz.

So wurden die Geschäftszahlen, die ja vorlagen, nicht so publiziert, wie das die Öffentlichkeit erwartet. Der frühere Geschäftsführer hat vieles freihändig gemacht, die Kontrollgremien und die Geschäftsordnung waren nicht klar genug geregelt. Das Auskunftsverhalten war unzureichend. So wurden Provisionszahlungen an professionelle Spendenakquisiteure nicht offen gelegt. Dies führte schließlich zum Verlust des Spendensiegels.

Dieses Siegel macht den Spendenmarkt transparent. Wer es hat, genießt Vertrauen und Hilfsbereitschaft der Spender. Bittere Folge des Verlusts: Von den 200.000 regelmäßigen Spendern sprangen fast 20 Prozent ab, die Einnahmen sanken.

„Vordringlichste Aufgabe des neuen Vorstands muss es sein, dieses Siegel zurückzubekommen“, verdeutlicht Heraeus. „Doch das ist nicht so einfach. Zwei einwandfreie Jahresabschlüsse müssen eingereicht werden, erst dann ist eine neue Bewerbung möglich. Ich setze mich dafür ein, dass schon unser Abschluss 2007 zählt.“

Jürgen Heraeus will einiges bei Unicef Deutschland ändern. „Bisher findet man im Internet auf unserer Homepage nur mit großer Mühe Zahlen zum Spendenaufkommen. Das muss transparenter werden. Wir werden deutlich über die Finanzen informieren.“

Arbeit transparent machen

So werde Unicef schon im nächsten Geschäftsbericht seine Geschäftszahlen ausführlich dokumentieren und auch Strukturen und Arbeitsweise erklären. Heraeus: „In Zukunft wird es auch eine strikte Trennung zwischen Vorstand und Geschäftsführung geben. Satzung und Geschäftsordnung werden überarbeitet und professioneller gemacht.“

Man sei ja, so Heraeus, mit fast 100 Millionen Euro Einnahmen so etwas wie ein mittelständischer Betrieb, und der braucht unternehmerische Strukturen. „Auch Hilfsorganisationen sind Einrichtungen, für die die Grundsätze unternehmerischen Handelns gelten, wenn sie erfolgreich sein wollen.“

Die aktuelle Nahrungsmittelkrise macht Hilfe notwendiger denn je. „Es sind immer dieselben Länder, die unsere Hilfe brauchen. Beispielsweise Kenia, Uganda, Bangladesch, Haiti und Indonesien“, listet Heraeus auf. „Wenn die Menschen dort weit mehr als die Hälfte ihres ohnehin schon kargen Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, bleibt für Bildung und Medizin kaum etwas übrig.“ 

Derzeit sterben jeden Tag rund 29.000 Menschen, davon sind fast 20.000 Kinder unter fünf Jahren. Eine Milliarde Menschen sind nicht ausreichend mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser versorgt.

Kleines Geld gegen den Hunger

Was können AKTIV-Leser tun, um zu helfen?

„Ich erinnere gerne an das sogenannte ,Pfennigrunden’. Die Centbeträge des Monatsnettos werden an Unicef gespendet. Das kann jeder für sich machen oder aber der Betrieb als Ganzes, wenn alle Mitarbeiter einverstanden sind.“ Heraeus freut sich über jeden Cent – der füllt die Schüsseln. „Jede noch so kleine Spende hilft helfen.“ 

Info: Unicef Deutschland

Die Deutschland-Sektion des Weltkinderhilfswerks erzielte 2006 Einnahmen in Höhe von 97 Millionen Euro aus Spenden und dem Erlös von Grußkarten. 17,9 Prozent davon bleiben in Deutschland. Doch nicht allein für Verwaltung, Vertrieb und Spendenwerbung.

Damit werden auch Informationsarbeit, Bildungsarbeit in Schulen und die Unterstützung der 8.000 ehrenamtlichen Helfer und Lobbyarbeit für Kinderrechte finanziert. 

www.unicef.de

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