Geld macht nicht glücklich …

… jedenfalls nicht als Allheilmittel der Wirtschaftspolitik!

Herausgeber Ulrich Brodersen

Ausgerechnet die Kritiker der „kapitalistischen Wirtschaftsordnung“, die so gern die „Ökonomisierung aller Lebensbereiche“ anprangern, sehen im Geld ein Allheilmittel gegen wirtschaftliche Problemlagen. Sie sagen „Geld macht nicht glücklich“ – und doch kreist bei ihnen alles um Kapitaleinsatz und Umverteilung. Ein gedanklicher Irrweg, wie zwei Beispiele verdeutlichen: das Bekämpfen von Wachstumsschwäche und von Armut.

Was das Wachstum angeht:

Es ist ja nicht so, dass Länder wie Griechenland nicht über lange Zeit mit EU-Mitteln unterstützt worden wären. Und auch hierzulande wurde mit Konjunkturprogrammen nicht gegeizt. Doch man darf den „Geldsegen“ nicht verklären.

So standen für das Jahr 2009, dem Höhepunkt der letzten großen Wirtschaftskrise in Deutschland, gut 13 Milliarden Euro für kommunale Infrastruktur bereit. Nur ein Viertel davon konnte ausgegeben werden, der größere Teil erst später – als die Wirtschaft ohnehin boomte. Manch unsinniges Projekt war dabei. Und überdies nutzten die Anbieter im öffentlichen Bau die Gunst der Stunde für fulminante Preisanhebungen.

Dass Wachstumspolitik nicht darin bestehen kann, die Wirtschaft ständig mit viel Geld anzukurbeln, hat Angela Merkel kürzlich in prägnanter Weise auf den Punkt gebracht: Man müsse sich „von der Vorstellung lösen, Wachstum koste immer mehr Geld und müsse das Ergebnis teurer Konjunkturprogramme sein“, sagte die Bundeskanzlerin. „Nachhaltiges Wachstum fußt vielmehr auf Bildung und Forschung, auf der Innovationskraft kleinerer und mittlerer Unternehmen, auf einer vernünftigen Lohnentwicklung und vor allem auf der Öffnung der Arbeitsmärkte.“

Was nun die Armut betrifft:

Es ist ja auch nicht so, dass unsere realen Sozialausgaben pro Kopf nicht über Jahrzehnte beträchtlich zugelegt hätten. Aber auch hier klafft zwischen Aufwand und Ertrag eine große Lücke. Der wirksamste Ausstieg aus Armut, das zeigt sich immer wieder, ist der Einstieg in bezahlte Arbeit. Besonders schwer tun sich damit die wachsende Zahl Alleinerziehender, die schlecht Ausgebildeten, die Einwanderer. Offenkundig geht es da vornehmlich um Fragen wie individuelle Lebensgestaltung, Bildung und Erziehung, Spracherwerb und Chancengerechtigkeit.

Geldmangel ist nicht Ursa­che, sondern Ausdruck von Wachstumsschwäche oder Armut. Wo die Ursache bleibt, doktert man mit Finanzspritzen nur am Symptom herum. 


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