Fernstraßen: 5.000 Problemfälle

Jede siebte Brücke in Deutschland muss saniert werden


Berlin. Es war ein Paukenschlag: Pro Werktag überquerten durchschnittlich 20.000 Lastwagen die Rheinbrücke bei Leverkusen – bis Anfang Dezember letzten Jahres das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium das 50 Jahre alte Bauwerk für Lkws ab 3,5 Tonnen sperrte. Experten hatten Risse in den Brückenträgern entdeckt.

Seitdem müssen viele Fahrzeuge aus den umliegenden Konzernen wie Ford, Bayer oder Lanxess einen 20 Kilometer langen Umweg nehmen.

Die marode Hängebrücke am Kölner Autobahnring ist nur ein Beispiel dafür, wie die Infrastruktur Deutschlands verfällt. Dabei ist die größte Volkswirtschaft Europas und nach China die zweitbedeutendste Exportnation der Welt so sehr auf ein funktionierendes Fernstraßennetz angewiesen.

Laut Verkehrsbericht der Bundesregierung sind 5.400 der insgesamt 38.800 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen in einem „kritischen“ oder „ungenügenden“ Zustand. Nur noch 15 Prozent der Überführungen bekamen von den Prüfern ein „Gut“ oder „Sehr gut“ attestiert – im Jahr 2000 waren das noch 31 Prozent.

Viel zu lange wurde die Infrastruktur in Deutschland auf Verschleiß gefahren. „Kein anderes Land in der EU verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren bei den staatlichen Nettoinvestitionen einen kontinuierlichen Rückgang“, kritisiert Jan Priewe, Volkswirtschaftsprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Deutschland lebe von der Substanz.

Zwar will der Bund allein in diesem Jahr 2,6 Milliarden Euro in das Bestandnetz stecken. Doch das reicht nicht. Eine von den Landesverkehrsministern ins Leben gerufene Kommission kam 2012 zu dem Schluss, dass Bund, Länder und Kommunen in den nächsten 15 Jahren jeweils 7,2 Milliarden Euro in die Hand nehmen müssten, um den Investitionsstau aufzulösen.

Die Zeit drängt: Bis 2050 wird der Straßengüterverkehr Prognosen zufolge noch einmal um mehr als 50 Prozent zunehmen. Problematisch sind vor allem die Brücken aus den 60er- und 70er-Jahren, die dem heutigen technischen Standard nicht mehr entsprechen.

160.000 Pkws oder ein einziger 40-Tonner – für den Asphalt die gleiche Belastung

Professor Hartmut Beckedahl von der Bergischen Universität Wuppertal, Lehrstuhl für Straßenentwurf und Straßenbau: „Der Zuwachs des Schwerverkehrs ist erheblich größer, als jemals prognostiziert wurde. Ein einziger 40-Tonner belastet eine Brücke wie 160.000 Pkws.“

Die Leverkusener Brücke soll nach umfangreichen Reparaturen Anfang März für schwere Lkws wieder freigegeben werden. Doch Flicken allein reicht nicht. Spätestens 2020 muss das betagte Bauwerk einer neuen Konstruktion weichen.

Mehr Geld für den Straßenerhalt – wo soll es herkommen?

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