Reformen

Japan: Was passiert, wenn man bei Demografie und Energie die Dinge laufen lässt

Kiel. Japans Wirtschaft steckt in der Krise. Die astronomisch hohen Staatsschulden steigen weiter an. Die Energiekosten sind hoch, der Konsum ist niedrig, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft. Was ist da los?

Ministerpräsident Shinzo Abe wollte mit Reformen und Konjunkturprogrammen die Wirtschaft ankurbeln. Zur Finanzierung erhöhte er unter anderem die Mehrwertsteuer, und die Notenbank sorgte für eine Geldschwemme. Aber zuletzt brach die Wirtschaftsleistung ein. Sie lag im zweiten Quartal 2014 um 7,3 Prozent unter Vorjahresniveau.

In Japan scheint man Dinge zu versäumen

„Die Steuererhöhung ist nicht der Hauptgrund für Japans wirtschaftliche Probleme, das hat strukturelle Ursachen“, erklärt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Die Gesellschaft dort wird immer älter, die Bevölkerung schrumpft und damit auch das Arbeitskräftepotenzial.“ Demografischer Wandel – das ist auch bei uns ein großes Thema. In Deutschland versuchen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, schlimme Folgen abzudämpfen. „In Japan lässt man die Dinge laufen, und nicht nur in diesem Punkt.“

  • Thema demografischer Wandel: In Japan ist die Geburtenrate noch niedriger als in Deutschland. Die Betriebe sind vorsichtig bei Investitionen, weil sie immer weniger Personal finden. „Da könnte man mit einer gezielten Zuwanderungs- und Frauenpolitik gegensteuern“, so Gern. „Es gibt aber wenig Migration nach Japan, und Frauen bleiben traditionell bedingt eher zu Hause.“
  • Thema Energie: Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 sind die Energiepreise enorm gestiegen. „Die Japaner stellten auf teuer importiertes Gas und Öl um“, so Gern. Auch das lähmt die Investitionstätigkeit. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist viel weniger ausgeprägt als in Deutschland – wo sie mittlerweile zu über 25 Prozent zum Stromverbrauch beitragen.

Was bei uns selbstverständlich ist, ist in Japan noch Zukunftsmusik. Und die in Sachen Demografie und Energiewende zögerliche Regierung darf weitermachen. Am 14. Dezember haben die Japaner ihren Ministerpräsidenten Abe erst mal wiedergewählt.


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