Leitartikel

Janet Yellen verändert unsere Welt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Es ist wohl so weit: Wahrscheinlich schon am 16. Dezember dürfte Janet Yellen, die Notenbank-Chefin der USA, die globale Zinswende einleiten. Es ist das Ende eines beispiellosen Wirtschafts-Dopings, gestartet vor sieben Jahren wegen der Weltfinanzkrise. Nun beginnt der Entzug. Die Folgen werden schmerzhaft – auch bei uns.

Durch die Aussicht auf wieder steigende US-Leitzinsen wird als Erstes der Euro schwächeln. Viele rechnen damit, dass er bald erstmals seit 2002 weniger wert ist als der Dollar. Heizöl und Sprit werden dann in Deutschland teurer, da Rohöl in Dollar gehandelt wird.

Auch unser Staat muss mit Mehrausgaben rechnen: bei den Zinszahlungen für seine enorme Schuldenlast. Statt deutscher Staatsanleihen werden Investoren aus aller Welt ja erst einmal verstärkt Dollar-Anlagen kaufen.

Über kurz oder lang werden auch Firmenkredite – also Investitionen – wieder teurer. Schließlich kann die Europäische Zentralbank (EZB), die ebenfalls die Leitzinsen seit Jahren extrem niedrig hält, nach aller Erfahrung einen Kurswechsel der US-Geldpolitik nicht ignorieren.

Das ist auch gut so. Denn das Doping durch die Notenbanken, in manchen Situationen zwar vertretbar, ist auf Dauer gefährlich. Es sei absehbar, dass der Niedrigzins „die Ertragslage von Banken und Lebensversicherungen spürbar belastet“ und „mittelfristig deren Geschäftsmodelle aushöhlt“, warnt der Sachverständigenrat der Bundesregierung („Fünf Weise“) im neuen Jahresgutachten.

Er drängt auch die EZB zur Umkehr: Dass sie „eine Zinswende zu lange hinauszögert“, sei „das größte Risiko für das Auftreten einer erneuten Finanzkrise“.


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