Experten-Interview

Ist es wirklich gefährlich, Wurst zu essen?

Essen. Ist es etwa gefährlich, Wurst zu essen? Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO hatte zu Alarmmeldungen in den Medien geführt. Pro 50 Gramm Verzehr von Wurst am Tag, hieß es, erhöhe sich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent. „Ein Missverständnis“, sagt Professor Thomas Bauer vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen. AKTIV wollte von ihm wissen, warum die Statistik so oft falsch wiedergegeben wurde.

Sollten wir jetzt auf Wurst komplett verzichten?

Nein. Das haben die Forscher der WHO gar nicht gefordert. Sie wollten auf den Zusammenhang zwischen Wurstverzehr und Darmkrebsrisiko hinweisen.

Und wie ist der?

Wer 50 Gramm Wurst täglich zu sich nimmt, bei dem steigt das Darmkrebsrisiko von 5 auf 6 Prozent. Das heißt: Von jeweils 100 Personen erkrankt einer mehr an Darmkrebs.

Und wie kam dann der Wert von 18 Prozent in die Welt?

Da wurde etwas durcheinandergeworfen. Wenn etwas von 5 auf etwa 6 Prozent ansteigt, also um knapp ein Fünftel, dann sind das in diesem Fall halt 18 Prozent mehr – relativ, aber nicht absolut.

Hört sich kompliziert an.

Ist es aber nicht. Wenn es etwa um Geld geht, erfassen wir solche Zusammenhänge leicht. In der Werbung lesen wir zum Beispiel „Sparen Sie 18 Prozent“ und wir fragen uns: „18 Prozent von was?“ Dieser Zusammenhang hat in der Berichterstattung zur Wurst-Statistik oft gefehlt.

Wie konnte das passieren?

18 Prozent lesen sich halt viel dramatischer. Außerdem muss man bei Statistiken immer hinterfragen, woher sie kommen und was sie bezwecken wollen.

Finden Sie oft Patzer im Zusammenhang mit Statistiken?

Ja. Häufig gibt es die bei Gesundheitsthemen, aber auch in der Berichterstattung über die Einkommens- und Vermögensverteilung. Also Themen, bei denen gern Emotionen geweckt werden, statt sachlich zu bleiben.


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